Fisch-Logo
    zwischenraum themen persönlich treffpunkt links  
Zum Ausdrucken der Webseiten bitte hier klicken Printversion dieser Seite RSS-Feed

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde von >>zwischenraum<<!

Meine Familie und ich - das ist die knallhalte Realität, mit der wir uns auseinandersetzen müssen, wenn es um das offene Eingestehen unserer Homosexualität in unseren Familien geht, die ja so etwas wie die "Keimzellen unserer Existenz" sind.

Wir schreiben hier von Erfahrungen, die Sie wahrscheinlich in dieser Art in einem christlichen Familienmagazin nicht lesen würden, weil es sie "in frommen Kreisen" nicht geben darf. Unsere Artikel wollen nicht - wie so oft in christlichen Kreisen dargestellt - beweisen, dass Homosexualität eine familienzerstörende Kraft ist, sondern dass sie zu neuen Wegen des Zueinanders und einer Erfahrung der Fürsorge Gottes führen kann. Das Coming Out eines Kindes oder eines Ehepartners kann trotz allem Schweren eine lebens- und liebesstärkende Wirkung haben für alle, die davon betroffen sind.

Wir wollen damit keine heile Idylle vermitteln - das verbietet die Achtung vor den Schmerzen und tiefen Tälern, die die Betroffenen auf dem Weg zu sich selbst durchgehen mussten. Wir wollen mit diesen Beiträgen alle ermutigen, sich dem Prozess in und mit der Familie zu stellen und ihn mit der Hilfe Gottes zu durchleben. Oft müssen diejenigen, die sich darauf einlassen, eines üben: das Loslassen von Träumen, Wünschen, Menschen. Das ist bitter und schmerzhaft. Das Geheimnis darin besteht aber in der Tatsache, dass die Menschen, die man anscheinend verliert, einem auf eine andere Art und Weise wieder neu geschenkt werden.

Ich persönlich habe erlebt, dass mich mein Coming Out im Rahmen meiner Familie mit so viel Liebe beschenkt hat, die mir auf meinen Weg den Rücken stärkt. So schrieb mir die Frau eines meiner Cousins, vor der ich mich vor kurzem brieflich zu meiner Homosexualität bekannt habe, folgende Zeilen:

Ich danke Dir, dass ich diejenige sein durfte, der Du Dich anvertraust. Ich muß ganz klar zugeben, daß ich erst mal platt war. Gedacht habe ich immer - es kann doch unmöglich sein, das ein so netter sympatischer Mann keine Frau findet, die paßt. Na ja, vielleicht mag er lieber Männer. Diesen Gedanken habe ich aber nicht wirklich genau überlegt, weil das schon immer eine Sache war, mit der ich nicht umgehen konnte. Warum kann ich nicht erklären. Vielleicht einfach, weil ich's nicht richtig verstehe.

Ich gehörte, bevor Du mir geschrieben hast, zu diesen Leuten mit Vorurteilen. Ja, so eine bin ich.

Jetzt las ich Deine Karte und musste mich das erte Mal in meinem Leben richtig damit auseinander setzen. Wie soll ich jetzt bloß denken? Es jemanden, den ich sehr gern habe, der schwul ist. Sicher verstehst Du, wie ich es meine.

Zu meiner Überraschung musste ich mir eingestehen, dass es mir völlig egal ist, welche Sexualität Du lebst. Für mich bist Du der gleiche geblieben. Ich mag Dich genauso wie vorher Du hast recht - es ist, was es ist, sagt die Liebe.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie einen neuen Blick für Familien bekommen, die sich im Prozess des Coming Out befinden - Coming Out betrifft meist nicht nur einen, sondern ein ganzes System von Menschen - eben die ganze Familie. Und sie brauchen Menschen, die ihnen als Freunde zur Seite stehen - ohne Ausgrenzung, Diffamierung, gute Ratschläge und Verurteilung.

© 2003 Günter Baum

Zum Ausdrucken der Webseiten bitte hier klicken Printversion dieser Seite RSS-Feed

 

Bookmark bei Connotea  Bookmark bei del.icio.us  Bookmark bei Furl  Bookmark bei Raw Sugar

Bilder zum Themenbereich Zwischenraum