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beziehung zu gott - wie ich mit jesus lebeAls ich gefragte wurde, ob ich einen Artikel für Zwischendrin schreiben würde über das Thema "wie ich meinen Glauben lebe" da dachte ich sofort, dass gemeint ist, wie ich ihn als Lesbe lebe. Aber ich denke inzwischen, dass sich da gar nichts geändert hat seit meinem Coming-Out vor einem Jahr. In meinem Leben hat sich zwar sehr viel verändert in den vergangenen Monaten, aber meine Beziehung zu Jesus war und ist stabil geblieben. In unserer Zwischenraumgruppe in Hamburg habe ich nun schon oft gehört, dass mit dem Coming- Out eine Glaubenskrise einherging. Eine Gemeindekrise kenne ich auch. Aber bei Jesus ist das anders. Wieso habe ich keine Beziehungskrise mit Jesus? Wie lebe ich mit ihm? Diese Frage hat mich schon oft beschäftigt. Eine Antwort, die ich gefunden habe ist, weil ich sehr früh in Jesus ein lebendiges Gegenüber und nicht tote Bibelstellen gefunden habe. Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen, wo ich Jesus kennen gelernt habe, aber sonst manches sehr schwierig war. Als Kinder waren wir viel allein zu Hause und meine Eltern waren abends ziemlich geschafft. Ich hatte oft das Gefühl, dass ich nur eine Last bin und es besser wäre, ich wäre gar nicht da. Schon sehr früh habe ich gelernt und auch erlebt, dass Jesus immer Zeit für mich hatte. Als Fünfjährige besprach ich mit Jesus meine Freuden aber auch mein Versagen. So hörte meine Mutter eines Tages ein Gebet aus dem Kinderzimmer: "Lieber Herr Jesus, bitte vergib mir, dass ich meiner Mama heute so auf den Nerven herumgetrampelt bin." In meiner ganzen Kindheit habe ich bei Jesus immer ein offenes Ohr gefunden und ich habe erlebt, dass er mir geholfen hat. Ich wusste einfach, dass Jesus mich auf dieser Erde haben wollte. Stets hielt mich das Wissen: Jesus hat noch etwas vor mit meinem Leben, sonst würde er mich sterben lassen. Er hat mich gewollt und liebt mich. Er wird mich nie im Stich lassen. Dieses Wissen und Erleben prägt bis heute meine Beziehung zu Jesus. Es ist wie in einer menschlichen Beziehung auch zu ihm so, dass mit allem, was wir miteinander durchgestanden und erlebt haben eine Beziehung fester und reifer wird. Für mich ist es einfach selbstverständlich geworden, alles mit ihm zu besprechen. Ich weiß und rechne damit, dass er immer bei mir ist. Ich rede mit ihm an meiner Arbeitsstelle ebenso wie zu Hause oder im Hauskreis. Ich teile, so wie damals als Fünfjährige, immer noch alle Freuden und alles Versagen mit ihm. Sicher hat sich die Beziehung zu ihm in den Jahren auch verändert, weil ich Jesus immer wieder von einer anderen Seite kennen lerne. Dadurch, dass ich mich verändere, verändert sich auch Beziehung. So brauche ich schon lange nicht mehr die festen Formen von z. B. Stille Zeit morgens um sechs Uhr, um mich in Ordnung zu fühlen. Wenn ich mir diese stillen Zeiten nehme genieße ich die Begegnung mit Jesus, weiß jedoch, dass er genauso da ist, wenn ich in der Hektik des Alltags mit ihm rede. Aber manches hat sich nicht verändert: Ich kann alles mit ihm besprechen. Er nimmt mich als Person ernst. Vor ihm brauche ich nicht vorformulieren und überlegen, ob ich dies oder das so sagen darf, ob er mir jetzt böse ist, wenn ich was kritisiere oder verletze ich ihn womöglich. Ich rede mit ihm so wie ich es gerade fühle. Ich verschweige ihm nichts. Niemand kennt mich so gut, wie Jesus. Auch meine jüngsten Entscheidungen, wie z. B. die Trennung von meinem Mann habe ich lange mit ihm besprochen. Als ich dann meine Freundin kennen lernte, noch bevor ich eine neue Wohnung gefunden hatte, konnte ich kaum glauben, dass Jesus mir so schnell eine Liebesbeziehung schenkt. Von Anfang an habe ich viel mit ihm über Claire gesprochen und er bestätigt mir immer wieder, dass er sich mit mir und uns freut. Dann gibt es auch Zeiten, wo ich so verletzt bin von Menschen und daran zweifle, ob Jesus mich auch mit meiner Homosexualität liebt, oder ob ich nicht wirklich eine Gefahr für andere Christen darstelle, wie das einige aus der Gemeinde formuliert haben. Dann knie ich in meinem Zimmer nieder und weine all meinen Kummer vor Jesus raus und er nimmt mich in den Arm und ich spüre seine Antwort: "Du bist meine Tochter! So wie du bist, liebe ich Dich!" Das tröstet mich und gibt mir den Mut mich nicht verletzt zurück zu ziehen. © 2004 Ruth
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