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Gemeinde - Familie Gottes und meine persÖnlichen SchwierigkeitenAls ich über das Thema Gemeinde um meine persönlichen Schwierigkeiten mit Gemeinden und Gruppen nachgedacht habe, ist mir ein Begriff eingefallen, der oft gebraucht wird, um das Wort "Gemeinde" persönlicher zu gestalten: Gemeinde als Familie Gottes. Dieses Bild hat mir dabei geholfen, meine widersprüchlichen Gefühle zum Thema besser verstehen zu können; abgesehen von Gemeinden und Gruppen bereitet mir meine Familie nämlich auch eher Magenschmerzen. Das hat viel mit meinen leidvollen Erfahrungen in allen drei Bereichen zu tun; darüber hinaus aber auch damit, dass ich sowieso zu den Menschen gehöre, die eher mit sich alleine klarkommen und viel dafür tun, Menschenansammlungen jeder Art zu vermeiden. Leider hatte ich in meiner Vergangenheit kein besonders glückliches Händchen dabei, mir Gemeinden oder Gruppen auszusuchen. Das hatte sowohl mit meinem seltsame nBild von Gemeinden und dem, was ich gehofft hatte, dort zu finden, zu tun, als auch damit, dass Gemeinden mitunter eine sehr seltsame Vorstellung davon zu haben scheinen, wie ihre Mitglieder sein sollten. Dazu will ich noch einmal den Begriff der Gemeinde als "Familie Gottes" bemühen: ein Bild, das darauf angelegt ist, positive Assoziationen zu wecken. Sicher streitet man sichmal in der Familie, aber eigentlich lieben sich ja alle, halten zusammen und darüber hinaus erzeugt Reibung Wärme. In den letzten Jahren habe ich allerdings viele Menschen kennen gelernt, die negative Erfahrungen mit Gemeinden gemacht haben: sie fanden dort wenig Wärme und Geborgenheit, machten dafür Erfahrung mit manipulativen Pastoren und Gemeindemitgliedern und haben tiefe Verletzungen, Neid, Druck und Missbrauch erlebt. Natürlich sind nicht alle Gemeinden so - aber Tatsache ist, dass es viele Menschen gibt, die tiefe Verletzungen gerade da erlebt haben, wo sie Sicherheit und Zusammengehörigkeit gesucht haben. Ein Resultat solcher Erlebnisse kann dann sein, dass man die "Familie" lieber meidet und versucht, alleine klarzukommen. Das dann allerdings oft mit einem schlechten Gewissen, weil man ja weiß, dass der Christ an und für sich nicht dazu gemacht ist, alleine zu leben und zu überleben. Ich habe aus meiner Vergangenheit dann immer noch solche hilfreichen Aussagen in den Ohren, wie: "Du hast nur Probleme, Dich der Leiterschaft unterzuordnen" oder " Du hast Probleme mit Verbindlichkeit". Jeder mag da was anderes haben, was ihn quält und was sich erstaunlich tief festgesetzt hat. Und die Sehnsucht nach Gemeinschaft bleibt trotz allem. Ich habe lange Zeit alle christlichen Gruppen und Gemeinden gemieden und versucht, die Dinge in meinem Kopf und meinem Herzen irgendwie zu sortieren. Es hat Jahre gedauert, bis ich wieder Bibel lesen oder beten konnte. Und noch länger habe ich gebraucht, um mich wieder ohne Angstschweiß, Herzklopfen und Magenkrämpfen der Familie Gottes auszusetzen. Und gerade an dem Punkt, an dem ich gemeint hatte, das es aufwärts geht, bin ich wieder in einem Gemeindeprojekt gescheitert und mit viel Bitterkeit ausgestiegen. Und dieses letzte Erleben hat mich zutiefst erschüttert, weil diese Gemeinde für mich der Rettungsanker zu sein schien und ich nach meinem Ausstieg das Gefühl hatte, dass, wenn ich dort nicht bleiben kann, es für mich keinen anderen Platz mehr gibt. Wenn ich in einer Gemeinde nicht klarkomme, in der das Thema Homosexualität überhaupt kein Problem ist, wohin sollte ich dann noch gehen können? Erstaunlicherweise habe ich gerade seitdem die Nähe Gottes erlebt, wie selten zuvor und angefangen einige Dinge zu verstehen, die ich für mich so klar nie gesehen hatte. Gott hat mir zum einen gezeigt, dass es ihm in all dem, was ich erlebt habe und erlebe, nur um mich geht. Er möchte mir nahe sein, mich heilen, mich lehren. Sein Weg mitanderen Menschen, bzw. mit den Menschen, die mich verletzt haben, geht mich dagegen sehr wenig an. Das soll nicht heißen, dass man Dinge, die furchtbar falsch gelaufen sind, nicht benennen kann und soll; letztlich hat das Nichtverschweigen etwas mit Verantwortung gegenüber sich selber und anderen zu tun - aber es bringt mich nicht weiter, wenn ich zu sehr daran festhalte, dass andere mir Wunden zugefügt haben; so sehr ich auch Recht habe. Das ist ein langer Lernprozess und Theorie und Praxis gehen in meinem Leben noch weit auseinander. Oft, wenn ich das Gefühl habe, endlich souverän über all dem Erlebten zu stehen, passiert irgendwas, was mich wieder in Richtung Bitterkeit und Wut bringt. Aber, ich habe mittlerweile die Kraft und das Verständnis dagegen bewusster anzugehen und die Hoffnung, dass meine Gefühle irgendwann meinem Verstand folgen werden. Der andere Punkt, der mir durch Gebet und Gespräche klar geworden ist, ist die simple Erkenntnis, dass Menschen unterschiedlich sind. Ich habe mich jahrelang in Kreisen bewegt, die sehr großen Wert auf eine enge Gemeinschaft und sehr große Offenheit untereinander legen. Mittlerweile musste ich feststellen, dass solche Gruppen einfach nicht dem entsprechen, was gut für mich ist. Unterschiedliche Persönlichkeiten habe nnicht nur unterschiedliche Gaben, sondern auch unterschiedliche Bedürfnisse und eine unterschiedliche Spiritualität. Das mag für viele eine recht simple Erkenntnis sein; fürmich war sie fundamental erschütternd. Vielleicht ist das, was ich gerne hätte, was ich kenne und was viele andere toll und richtig finden und gerne leben, gar nicht das, was gut für mich ist. In Psalm 139 steht etwas darüber, wie wunderbar und einzigartig jeder einzelne von uns gemacht ist. Mich hat das zu der spannenden Frage gebracht, wie Gott mich persönlich gemacht hat; mit welchen Anlagen, Abneigungen, Gaben, Bedürfnissen, etc. Und daraus resultiert dann z.B. auch die Frage, welche Gemeinde mich näher zu Gott bringt; eine, die eher meinen Kopf oder eher mein Herz anspricht. Eine Gemeinde, die mehr Wert auf eine gute Predigt oder mehr Wert auf eine gute Lobpreiszeit legt. Brauche ich eine Gemeinde oder eine Gruppe, die sich oft trifft oder brauche ich viel Zeit alleine, um meine Beziehung mit Gott zu vertiefen? Finde ich es hilfreich, wenn sich Leute stets danach erkundigen, wie es mir geistlich geht oder empfinde ich das als großen Druck? Ich gehe im Moment sehr sporadisch in den Gottesdienst einer Gemeinde, die nur einen Steinwurf von unserer Wohnung entfernt ist und genieße die guten Predigten und die Anonymität. Ich interessiere mich mehr und mehr für Kirchengeschichte und die unterschiedlichen Strömungen, die es innerhalb des Christentums gegeben hatte. Es ist faszinierend, auf welche unterschiedlichen Arten Menschen Gott gesucht haben und ersich von ihnen hat finden lassen. Gott scheint nicht so sehr auf eine bestimmte Form von Spiritualität festgelegt zu sein. Es wäre schön, wenn Gemeinden ihren Mitgliedern den Freiraum zur Verfügung stellen könnten, den sie benötigen, um den eigenen, ganz persönlichen Weg mit Gott zu finden; so, wie ein Kind in einer Familie unbedingt den Freiraum haben sollte, eine eigene Persönlichkeit entwickeln zu können. Das ist nicht immer einfach und es bedarf ziemlich viel Mut auf Seiten der Gemeinde oder der Familie, so viel Vertrauen in den Einzelnen und Gott zu haben. Genauso braucht auch jeder Einzelne viel Mut, den eigenen Weg mit Gott zu gehen und auch mal ausgetretene Pfade zu verlassen. Ich glaube, dass es sich lohnt, auch einfach mal ein wenig mit unterschiedlichen Formen der christlichen Spiritualität zu experimentieren; es gibt so viel Reichtum in derGlaubensgeschichte (neu) zu entdecken. Und letztlich bin ich fest davon überzeugt, dass meine Zukunft in einer potentiellen Gruppe oder Gemeinde positiver ausfällt, je enger und wahrhaftiger meine persönliche Beziehung zu Gott ist. Je sicherer ich mich in ihm fühle, desto eher bin ich in der Lage Unsicherheiten von Außen zu ertragen und auszuhalten. Er ist mein Zufluchtsort und mein Fels. © 2005 Astrid Ohletz, Frankfurt a.M.
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