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Ich bin ein Teil von euch : Erfahrungen mit GemeindenManchmal frage ich mich, warum ich hier noch hingehe, warum ich mich hier noch irgendwie wohlfühle und warum ich auch immer wieder etwas mit nach Hause nehme, was mich in meinem Glauben bewegt. Warum habe ich hier das Gefühl, mit anderen Glaubensgeschwistern Jesus anzutreffen, warum freue ich mich, wenn ich an meinen freien Sonntagen hier bin? Viele Fragen stellen sich mir, wenn ich an meine Gemeinde denke. Denn ich finde so vieles, was mir gut tut; es könnte alles auch ganz anders sein, insbesondere deshalb, da ich vor über zwei Jahren aus dieser Gemeinde ausgeschlossen werden sollte. Ein zäher Prozess mit diversen Bibelstunden zum Thema Homosexualität, mehreren Gesprächen mit der Gemeindeleitung, etliche schriftliche Stellungnahmen und einige Gemeindestunden hatte es uns gekostet, bis im November 2002 die Entscheidung über einen Gemeindeausschluss folgen sollte. Dass ich schwul bin, wusste der Pastor schon kurz, nachdem ich hergezogen war. Das war o.k., schließlich war ich da Single. Wenn das so bliebe, wäre das auch nicht so das Problem. Das blieb aber nicht so. Ein halbes Jahr, nachdem wir uns kennen gelernt hatten, zog ich mit meinem Freund zusammen, zuerst noch mit einer Freundin - die Wohnung ist so großartig geschnitten, so dass wir hier auch gut zu dritt leben konnten - ein halbes Jahr später lebten wir dann nur für uns. Mein Freund ist des öfteren zu den Gemeindeveranstaltungen mitgekommen und wir haben uns nie sonderlich bemüht, unsere Beziehung zu verheimlichen. Ich habe unserem Pastor meinen neuen Freund vorgestellt, und siehe da - sie schienen sich gut zu verstehen. Ab und zu sollte ich dann auch mal zuhause grüßen, war ich alleine im Gottesdienst. Donnerstags bin ich dann zum Chor gegangen, habe im Tenor mitgesungen und wenn wir einen Auftritt im Gottesdienst hatten, war mein Freund natürlich zu Gast. In dieser Zeit sind wir auch zur hiesigen HuK-Regionalgruppe gegangen (Zwischenraum kannten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht). Als es zu einem Konflikt zwischen der HuK, die sich in der benachbarten evangelischen Gemeinde traf, und der Baptistengemeinde kam wegen der Beteiligung der HuK an einem ökumenischen Gemeindefest, gerieten wir zwischen die Fronten. Die Lawine kam in Fahrt. Als bekannt wurde, dass wir unsere Verpartnerung planten, war die Reaktion der Gemeindeleitung der drohende Ausschluss aus der Gemeinde. Im November 2002 wurde abgestimmt über eine Schwester aus der Gemeinde und über mich und über uns beide aus dem gleichen Grund. Beide haben wir uns im Mai 2002 verpartnert. Das Ergebnis dieses Nachmittags: Wir können bleiben, die notwendige Zwei-Drittel- Mehrheit wurde um zwei Stimmen verfehlt aufgrund der vier Enthaltungen, die abgegeben wurden. Es kam zu einem Eklat. Die Chorleiterin hat uns gedroht, die Arbeit niederzulegen, sollten wir nochmals zu einer Chorprobe kommen. Uns wurde vorgeworfen, für die nun folgenden Austritte verantwortlich zu sein (es ist aber niemand ausgetreten) und ein Ältester wollte sein Amt niederlegen (hat er aber nicht getan, hat sich vor einiger Zeit sogar wieder wählen lassen). Kurze Zeit später erhielt ich Post von unserem Pastor mit der Aussage, dass die Gemeindeleitung beschlossen habe, uns jegliche aktive Mitarbeit in der Gemeinde zu verbieten, was auch das Mitsingen im Chor betrifft. Ich war sehr bestürzt und gleichzeitig sehr wütend. Noch am folgenden Sonntag wurde dieser Beschluss im Gottesdienst öffentlich gemacht. Etliche liebe Geschwister haben versucht, mich wieder aufzubauen und mich ermuntert, das nicht auf mir sitzen zu lassen. Ich habe es auf mir sitzen lassen. In einem Telefonat mit unserem Pastor wenige Tage nach diesem Beschluss habe ich ihm gesagt, dass ich glaube, dass Gott mir eine neue Tür öffnet, wenn er mir eine Tür verschließt. Darüber müsse ich jetzt Frieden finden. Er müsse Frieden finden über das Ergebnis der Abstimmung. Schließlich habe er selbst gebetet, dass sich mit der Abstimmung auch der Wille Gottes für uns zeige. Wenn er glaubt, dass Gott das Gebet erhört hat, müsse er jetzt sehen, wie er mit dem Ergebnis zurechtkomme. Ich habe meinen Frieden gefunden. Ich gehe weiter zu dieser Gemeinde, fühle mich hier richtig, nehme etwas Wertvolles für mich mit, wenn ich sonntags wieder nach dem Gottesdienst nach Hause gehe, manchmal auch liebe Grüße von unserem Pastor für meinen Partner. Mitarbeiten darf ich hier zwar nicht, manchmal muss ich mich dann zähmen, dass die Wut nicht wieder hochsteigt, manchmal mache ich mir aber auch einen Spaß daraus ( kennt ihr: Können mal noch ein paar Leute mit anfassen und Stühle tragen? - Ich kann nicht gemeint sein. ) und dann bin ich auch wieder damit versöhnt. Meinen Platz habe ich jetzt in unserem Zwischenraum-Bibelkreis gefunden, das ist schon ein Stück weit Mitarbeit, zwar nicht in der Gemeinde, aber an Gottes Reich, und darauf kommt es doch an. Mein Verhältnis zur Gemeinde hat sich gewandelt. Ich habe sie lieb gewonnen. Ihr kennt das vielleicht auch, dass man manche Personen erst einmal ganz anders schätzen lernt, wenn man sich so richtig gestritten hat. So geht es mir mit meiner Gemeinde. Beide Seiten wissen jetzt, woran sie sind und wir können uns damit arrangieren. Mein Verhältnis zu Jesus hat sich gewandelt. Dieser Prozess hat mich viele Nerven gekostet und schlaflose Nächte bereitet. Es gibt wenige Momente in meinem Leben, wo ich jemals so sehr gespürt habe, dass Jesus mich trägt, dass sein Heiliger Geist an mir arbeitet und mir Kraft gibt, solchen Widerständen und Anfeindungen zu begegnen. Er hat mir gezeigt, wie er aus Trümmern wieder etwas sehr Schönes machen kann. Danke, Jesus! © 2005 Andi
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