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Ein Hauskreis in StuttgartEs ist Sonntagnachmittag kurz vor 16 Uhr. Langsam finden sich im Gemeinderaum einer kleinen Stuttgarter Gemeinde die Mitglieder der Zwischenraum- Regionalgruppe ein. Männer und Frauen aus ganz unterschiedlichen Gemeinden und Traditionen, von altkatholisch über altpietistisch bis evangelikal, von tief verwurzelt bis (unfreiwillig) gemeindelos. Da sich viele einen ganzen Monat lang nicht gesehen haben, ist das Hallo groß. Obwohl schon im Vorfeld E-Mails ausgetauscht wurden, ist es doch immer wieder schön, sich persönlich zu sehen. Für den gemütlichen Teil decken wir den Tisch für den mitgebrachten Kuchen und werfen die Kaffeemaschine an. Nach einem kurzen Eingangsgebet kann das Schlemmen in lockerer Kaffeerunde beginnen. Meistens stimmen wir, wenn der Kuchen gut verdaut ist, auch noch neue und alte Gemeindelieder an. Diese Zeit lädt ein zum Seele baumeln lassen und Ankommen – rein in den Zwischenraum. Wie jeder Hauskreis suchen auch wir die Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Mit Gott reden wir im Gebet, und ein wesentlicher Bestandteil des Treffens ist der geistliche Teil, der auch immer wieder neue Formen annehmen kann. Gerade in letzter Zeit beschäftigten uns persönliche Lebensberichte aus den eigenen Reihen, anhand derer wir über das Wirken Gottes, unser Verhältnis zu Ihm und unser Leben als Christen ganz konkret nachdenken konnten. Aber auch biblische Themen und Impulse kommen nicht zu kurz, die wir zum Teil in der Gesamtgruppe oder aufgeteilt in kleinen Grüppchen „bearbeiten“. Da sich die Gruppe in den letzten Monaten vieler Neuzugänge erfreut und stetig im Wachstum begriffen ist, wird es allmählich schwierig, allen Anwesenden gleichermaßen – egal ob im „gemütlichen“ oder „geistlichen“ Teil - ein Forum für Ihre Gedanken, Fragen, Anliegen und Sorgen zu bieten. Deshalb haben wir uns entschlossen, Kleingruppen aufzubauen, die es in der „zwischenraumfreien Zeit“ zwischen den Regionaltreffen ermöglichen, sich in einem persönlicheren Rahmen auszutauschen und kennen zu lernen. Zum Ausklang des Regionaltreffens finden wir uns im Gebet für Dank, Lobpreis, vorgebrachte Anliegen und aktuelle Ereignisse zusammen, zuletzt darf dabei aber auch das Vaterunser nicht fehlen, das alle zentrale Anliegen auf den Punkt bringt. Vor dem offiziellen Ende gibt es allerdings noch Organisatorisches zu klären, neben Terminabsprachen wollen auch ganz „weltliche“ Veranstaltungen wie Ausflüge oder gemeinsame Kinobesuche geplant sein. Was unterscheidet letztendlich unsere Zwischenraum-Treffen von „gewöhnlichen“ Hauskreisen? Sicherlich ist das „Besondere“ nicht in der äußeren Form oder im Ablauf zu finden. Wir sind gemeinsam auf dem Weg mit Jesus, das verbindet uns mit allen Christen, aber wir sind „nebenbei“ auch homosexuell. Viele von uns sind engagierte Mitglieder in ihren Gemeinden, gehen zu Gottesdiensten, übernehmen Ämter und sind Mitglieder von Kleingruppen. Dort ist es ihnen zum Teil nicht möglich, zu ihrer Homosexualität zu stehen, auch wenn sie diese durchaus vor Gott einordnen und annehmen können. Sie müssen ein Stück Leben vor der Kirchentür ablegen und können nicht oder nur in einem ausgewählten Personenkreis über alle Aspekte reden. Wiederum andere sind in ihren Gemeinden „geoutet“ und akzeptiert, doch auch dann bleibt der Wunsch, sich mit anderen Gleichgesinnten über „eigene“ Themen austauschen zu können. Während des Treffens, in den Gesprächen und Bibelarbeiten, finden wir immer wieder einen Bezug zu unserem „Anderssein“ – wie gestalten wir unser Leben vor Gott als homosexuelle Christen? Für viele war diese Frage lange Zeit eine Qual, weil die (sexuellen) Empfindungen sich nicht dem Willen Gottes beugten – oder was eben unter dem Willen Gottes verstanden wurde. In anderen christlichen Kreisen wäre es zudem eher schwierig, über schwule oder lesbische Partnerschaften in einem christlichen Kontext oder über unser Verhältnis zur „Szene“ zu reden. Im Zwischenraum können wir einfach sein, ohne uns erklären zu müssen. Deshalb versammeln wir uns immer wieder gerne an einem Sonntag im Monat – um 16 Uhr. © 2007 Julia
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