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Gewalt im Osten : Einführung

Die Parade der polnischen Schwulen und Lesben in Warschau 2006 ist einigermaßen friedlich verlaufen – und sie durfte überhaupt stattfinden, Gott sei Dank! In Moskau ging es vor kurzem nicht so glimpflich ab. Da marschierten nazistische Schlägerbanden auf, flankiert von aufgeheizten religiösen Gegnern "sodomitischer Zustände". Es gab Hassreden und Gewalttätigkeiten. Aber das blutige Gesicht von Volker Beck in den Medien hat ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, unter welchen Bedingungen Homosexuelle in unseren östlichen Nachbarländern leben.

Diejenigen unter uns, die persönliche Kontakte haben, unter anderem nach der Slowakei oder nach Polen, wissen, mit welcher Ablehnung und welchen Schikanen Homosexuelle dort konfrontiert sind. Nicht nur als homosexuelle Christen in ihrer Kirche, sondern bereits in der Gesellschaft selbst. Diese tägliche "stille Gewalt" läuft unerkannt von Medien ab, ungestraft durch die Ordnungsmacht und herabgespielt von den Meinungsmachern, die sie bestärken. Und leider haben die Kirchen hier oft eine führende Position.

Diese Geschwister brauchen unser Gebet, unsere Solidarität, unsere Unterstützung. Einigen von uns war es ein Anliegen, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auszunutzen, um auf die Situation in diesen Ländern aufmerksam zu machen.

Wir haben einen von uns unterzeichneten Brief, jeweils mit geringen Abweichungen, an führende katholische, orthodoxe und evangelikale Geistliche geschickt und an sie appelliert, sich öffentlich gegen herabwürdigende und gewaltsame Handlungen gegenüber Homosexuellen auszusprechen. Denn auch wenn dies sicher nicht in der Absicht kirchlicher Führer liegt: gerade ihre Äußerungen, in denen Homosexualität als Abartigkeit und homosexuelle Beziehungen als minderwertig und bekämpfenswert bezeichnet werden, stellen für extremistische und gewaltbereit Gruppen ja geradezu eine Ermutigung dar.

Sicher ist dieser Brief ein winziger Tropfen auf einen heißen Stein. Oder gegen eine Wand geredet. Dennoch wollten wir ihn ins Netz stellen. Vielleicht findet er Nachahmer. Je mehr sich homosexuelle Christen zu Wort melden, desto schwerer fällt es, rigide ablehnende Positionen aufrecht zu erhalten.

Brief

© 2006 Valeria Hinck

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