jenseits des sprungs 2
Für euch, die ihr am rechten ufer wohnt leben wir am anderen ufer in einem
land ohne hinterland dort wo unser gestade beginnt muß fraglos das
ende der erde in schaurig-grundlosen abgrund stürzen und ewige finsternis
herrschen
es kommt euch nicht in den sinn entrüstet weist ihr es von euch nur
auf einen sprung für einen augenblick für einen blick mit
den augen überzusetzen und nachzuschauen oder auch nur ein fernrohr
zur hand zu nehmen sonst müßtet ihr doch sehen...
der starke baum der ohne unser zutun frei gewachsen die frucht uns'rer
gärten voll süße und saft die blumen dazwischen voll
leuchtender farben das korn des ackers voller mühe und last - sie sind
dieselben hier oder dort wird eine buche erst wieder eine buche ein apfel
erst wieder ein apfel eine rose erst dann eine rose der weizen erst wieder
weizen wenn wir zurückkehren an euer ufer ?
der regen, der gnädig vom himmel fällt ist kein schlamm aus der
grube ist derselbe hier oder dort der gesang, der dankbar zum himmel
steigt- ist kein wüstes geplärr ist derselbe hier oder
dort das buch des lebens auf unseren knien ist uns tägliches brot wie
auch euch wird es dadurch beschmutzt daß wir es hier lesen ?
jenseits des sprungs ach würdet ihr nur schauen ist weites land
© 2004 Valeria Hinck
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