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"Sind wir an allem Schuld?"Eltern nehmen Stellung zu den Thesen der Exgay-Bewegung über deren angebliche Rolle bei der "Entstehung" der Homosexualität ihrer Kinder. Da werde ich wohl nicht ernst genommen.Beim Lesen ihrer Theorien komme ich mir vor wie beim Studium des Horoskops. "Sie werden Mühe haben, ihre Finanzen in den Griff zu bekommen!" Das ist wahr. Ich habe gestern eine teure Jacke gekauft. Nun möchte ich sparen, weiß aber nicht, ob ich es schaffe. Oh, das war ja nicht mein Sternzeichen, sorry. Aber die Prognose hat doch auch für mich gestimmt! Nun zum richtigen Monat: "Im Liebesleben haben sie Glück." Ach ja, das stimmt auch. Mein Mann und ich lieben uns auch nach 50 Jahren noch wie am ersten Tag. Nein, realistischer aber intensiver! Und eines unserer vier erwachsenen Kinder ist homosexuell. Liegt dies an der Zahl vier? Auch wir waren vier Geschwister. Da hätte ja einer meiner Brüder oder eine meiner Schwestern oder ich selbst homosexuell empfinden müssen. Oder war ich eine überfürsorgliche Mutter? Ich habe alle vier Kinder umsorgt, geliebt, gescholten und wieder in die Arme genommen. Mein Mann und ich haben die Fragen und Anliegen der Kinder ernst genommen. War mein Mann zu häufig abwesend? Trotz seiner Arbeit, die ihn um die halbe Welt führte, war er in seiner Freizeit den Kindern ein sportliches Vorbild, nicht ein unerreichbares Idol, nein ein Vater mit Herz und Hand. Soll ich ihm in die Schuhe schieben, er habe ohne mein Wissen eines der Kinder sexuell missbraucht? Nein wirklich! Ich habe mich grün und blau geärgert, als ich die Liste der möglichen von Eltern begangenen Fehler gelesen habe. Und da sollte ich den Schluss ziehen, dass mein Mann oder ich an der Homosexualität unseres Kindes schuld sind? Ich empfinde ihre Thesen so wenig glaubwürdig wie die Thesen eines Horoskops! Alle unsere vier Kinder sind ein Geschenk Gottes. Wir als Eltern sind dankbar, dass alle vier ihren Weg gefunden. P.S.: Diese Mutter wollte nicht mit dem eigenen Namen unterschreiben, Sie befürchtet auch heute noch, dass ihr homosexuelles Kind am Arbeitsplatz diskriminiert würde. (Also doch eine überfürsorgliche Mutter?! Nein, der Wunsch nach Anonymität kommt von der lesbischen Tochter / vom schwulen.) © 03. Mai 2001 E. M. R.
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