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Homosexuelle contra Fundamentalisten? - Ein offener Brief zu unseren Medienanfragen

Besten Dank für Ihre Anfrage (die übrigens nicht die erste und einzige dieser Art ist). Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns mit dem Reagieren etwas Zeit genommen haben. Die meisten aus unseren Reihen kommen aus Glaubensrichtungen mit tiefer und persönlich gelebter, bibelbezogener Frömmigkeit und sind diesen trotz aller Probleme als homosexuelle Christen auch noch verbunden – so dass wir uns natürlich fragen müssen, ob wir selbst zu "den Fundamentalisten" gerechnet werden...?

Nein, im Ernst, wir betrachten mit Bedauern diese Art von "Kulturkampf", der seit einiger Zeit beidseitig in den allgemeinen und spezifisch christlichen Medien gegeneinander geführt wird.

Auf der Seite der Presse, des Fernsehens etc. vermissen wir oft den Versuch, die Motive und wirklichen Anliegen konservativer Christen, insbesondere aus dem freikirchlichen Bereich, überhaupt verstehen zu wollen, oder auch die starken und guten Seiten dieser Glaubensform wahrzunehmen. Meist werden sie "bestenfalls" mit den Ultraevangelikalen US-amerikanischer Couleur gleichgesetzt (dort stehen tatsächlich welche mit Schildern "God hates fags" am Straßenrand, danken für den Hurricane Katrina als "Schwulenstrafe" oder betreiben Websites mit animierten höllischen Feuerflammen, in denen böse Homosexuelle schmoren). Oder als Steigerung werden sie mit Sekten in einen Topf geworfen oder gleich mit den Gotteskriegern des islamischen Djihad. Keine dieser Darstellungen wird u.E. den üblichen deutschen Verhältnissen gerecht.

Nach dem Bibelverständnis konservativer Christen stellt der darin geoffenbarte Gott ihre höchste und absolute Autorität dar. Es ist in sich nur konsequent und logisch, wenn sie auch ihre ethischen Vorstellungen von daher als verbindlich ableiten. Ob ihr Verständnis der biblischen Aussagen – z.B. zum Thema Homosexualität - dabei immer und überall das richtige ist, kann und muss man diskutieren. Und tatsächlich ist es Recht und Pflicht einer pluralistischen Gesellschaft, über ein (nicht nur physisch) gewaltfreies und respektvolles Miteinander ihrer verschiedenen Mitglieder zu wachen, auch wenn sich kontroverse Auffassungen gegenüber stehen. Aber nicht so ganz aus der Luft gegriffen monieren diese Christen, dass die Forderung, alle Meinungen für gleich berechtigt richtig halten zu sollen, auch eine Art Diktatur wäre.

Auf der anderen Seite neigen christliche Medien im Stil von "idea-spektrum" oder "pro" dazu, sich daraufhin als Märtyrer der verfolgten und verleumdeten Unschuld zu stilisieren, die eigene Polemik mit Sachlichkeit zu verwechseln und eine differenzierte und selbstkritische Sicht solcher Phänomene wie Homosexualität (und ihres meist tatsächlich nicht sehr barmherzigen Umgangs damit) zugunsten einer festgefahrenen Vor-Beurteilung auszublenden.

In diesem Geist des bilateralen Nicht-Aufeinander-Hören-Wollens finden in diversen Internet-Foren genügend endlose Schlagabtäusche zum Thema Homosexualität statt. In diese Form eines Negativdialogs wollen wir von Zwischenraum uns nicht mehr einklinken.

Es ist ja nun mal eine alte Erfahrung in verschiedensten Bereichen: Menschen und Menschengruppen, die Kritik erfahren, die sie als überzogen und ungerechtfertigt erleben und durch die sie sich nicht verstanden fühlen, werden durch solche Kritik in ihrer Haltung nur bestärkt – und damit ist der Sinn, den Kritik ja eigentlich hat, geradezu konterkariert.

Tatsächlich hätten die meisten von uns wohl wenig Mühe, diverse schwere, traurige und bizarre Erlebnisse als Homosexuelle unter Christen zu schildern. Aus unseren Erfahrungen erwarten wir allerdings wenig Fruchtbares davon, hier in die Anklagebank zu steigen. Als unser Anliegen und unsere Aufgabe sehen wir es, gegenüber Vorurteilen und Vorverurteilungen den konstruktiven Dialog und die positive Überzeugung der Begegnung zu suchen (was "nicht oft, aber immer öfter" gelingt) bzw. dort, wo Falschaussagen in die Welt gesetzt werden, sie klar, aber möglichst unpolemisch auf der sachlichen Ebene zu widerlegen. Hierbei wollen wir zumindest versuchen, die Ebene von Respekt, Fairness und Einfühlungsvermögen beizubehalten, obwohl oder gerade weil wir dies oft vermisst haben.

Martin Luther King oder Ghandi hätten sich zum Thema "gewaltfreier Dialog" vielleicht eleganter ausgedrückt, aber ein alter Weiser der Bibel hat mal in der ihm eigenen recht "knackigen" Sprache die Sätze geprägt (Sprüche Salomos 30,33 + 25,15): "..wer die Nase hart schneuzt, zwingt Blut heraus, und wer den Zorn reizt, ruft Streit hervor... Aber durch langen Atem wird ein Fürst überredet, und eine sanfte Zunge zerbricht Knochen." (oder verknöcherte Strukturen...)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Valeria Hinck für das Leitungsteam von Zwischenraum

© 2007 Valeria Hinck.

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