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Die Bibel in meinem Leben VI

Tiefgreifende Erfahrungen konnte ich mit dieser Stelle aus dem sonst so reichhaltigen Römerbrief nicht machen; solche Erfahrungen macht man eher mit Stellen, die einen herausfordern oder begleiten können. Hier wird aber Verhalten beschrieben, das ich nicht in meinem Leben beobachten kann.

Hatte ich also persönlich keine Beziehung zu diesem Vers, wurde diese durch die Beschäftigung mit der Homosexualität hergestellt. Viele Christen sehen in diesem Text eine Stellungnahme der Heiligen Schrift, also Gottes, zur Homosexualität. Paulus bezieht sich in den Versen auf Menschen, die, obwohl sie Gott „erkannt“ hatten, sich von ihm abwendeten. Anstatt den ewigen Schöpfer zu ehren, dienen sie der vergänglichen Schöpfung - dem Materiellen würden wir wohl heute sagen; anstatt in göttlicher Wahrheit und Herrlichkeit zu leben, möchten sie nur nach ihrem Kopf und nach ihrem Bauch leben.

Diese Menschen haben das Göttliche mit dem Vergänglichen vertauscht (meth, llaxan) und haben den natürlichen Gebrauch (th.n fusikh.n crh / sin) verlassen (avfe, ntej).

Zwei Punkte möchte ich kurz anreißen, die mir auch als schwulen Christen die persönliche Betroffenheit erschweren – ganz abgesehen vom Kontext.

  1. In beiden Versen benutzt Paulus im Griechischen eine Zeit (den Aorist), die den punktuellen Charakter der Handlung hervorhebt. Damit wird ausgedrückt, dass sich Menschen in einem Entscheidungsakt von der göttlichen Wahrheit abgewandt haben und dies auf jeden Fall kein schleichender, unbewusster, progressiver Prozess der Entfernung von Gott ist.
  2. Mit dem natürlichen Gebrauch meint der Text den Geschlechtsverkehr. Was ist aber der Impetus hinter diesem Gebrauch? Allein die Begierde (o;rexij - kommt auch nur einmal in Neuen Testament vor). Es geht nicht um Liebe im Sinne von caritas oder agape – es geht um sexuelle Lust und deren Befriedigung. Und diese nicht eingebundene Begierde ist für Paulus Zeichen einer gesellschaftlichen Degeneration, Zeichen dafür, dass die richtigen, göttlichen Maßstäbe nicht mehr gelten, Beziehungen ge- und zerstört werden.

© 2007 Stephane

(Dies ist die Druckversion von: http://www.zwischenraum.net/2007-06-11.htm)