![]() |
http://www.zwischenraum.net/ |
Gewalt im Osten : der BriefBetr.: Gewalt an "geringsten Brüdern"Sehr geehrte(r) , in unserer Welt ist leider Gewalt gegenüber Minderheiten immer noch an der Tagesordnung, trotz aller Menschenrechtsverhandlungen. In manchen Ländern sind Christen die "anderen", müssen Diskriminierung und Brutalitäten erdulden. Dahinter stehen keine rationalen Argumente, sondern irrationale Ängste und Hassgefühle, die leider oft noch von religiösen Führern geschürt werden. Diese Christen brauchen unser Gebet und unsere Stimme, die wir für sie erheben. Aber wenn Jesus sagt, dass das, was wir seinen geringsten Brüdern tun (oder nicht tun), an ihm getan (oder nicht getan) ist, meint er nicht nur Christen. Das Gleichnis im Matthäusevangelium lehrt uns ja gerade, dass Jesus in seinen "Brüdern" offenbar ziemlich schlecht zu erkennen war: sie waren Unterprivilegierte, Ausgegrenzte und Gefängnisinsassen. "Tu deinen Mund auf für die Sache der Stummen!" empfiehlt uns die Bibel, und: "Gott hat gezeigt, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf, ... denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott" (Apg. 10). Wir in Europa sind zu Recht stolz darauf und dankbar dafür, dass Menschenrechte ihre Geltung haben. Und letztlich fußen diese ja auf der Würde des Menschen vor einem liebenden Gott. Aber in einigen Ländern, die über staatliche Verträge bereits an Europa angebunden sind oder dies anstreben, gelten Menschenrechte nach wie vor nur sehr selektiv. Homosexuelle sind v.a. in den ehemaligen Ostblockstaaten auf Grund ihrer bloßen Andersartigkeit Brutalitäten und Schikanen ausgesetzt. Und wenn sie – völlig normal aussehend und völlig normal gekleidet – für ihr Recht auf Existenz und gegen Diskriminierung völlig friedlich demonstrieren wollen, wird ihnen dies vom Staat mit dem Hinweis, die "öffentliche Sicherheit" können so nicht gewährleistet werden, untersagt. Aber wie sollen sie sonst auf ihre notvolle Situation aufmerksam machen? (Auch die Montagsdemonstrationen waren illegal und wurden – Gott sei Dank – trotzdem fortgesetzt). Nur, dann formieren sich rechtsradikale Schlägertrupps, die sie – unter den Augen oder sogar mit Unterstützung der staatlichen Sicherheitsorgane - brutal schlagen und treten dürfen. Und an der Seite von Skinheads mit ihren Hassparolen marschieren Christen, das ist keine schöne Allianz. Es könnte einen das beklemmende Gefühl beschleichen, statt Brutalitäten durch seine Mitmarschierer zu verhindern, mag sich mancher Fromme noch insgeheim gefreut haben, dass jemand es "denen" mal richtig gezeigt hat? Was haben Sie damit zu tun? Direkt natürlich nichts! Aber die Geschichte hat uns leider deutlich gelehrt: Dort, wo gesellschaftliche und religiöse Führungspersonen die Minderwertigkeit einer Personengruppe öffentlich verkünden, fühlen sich brutale Extremgruppen ermutigt, ihrem irrationalen Hass freien Lauf zu lassen. Und vor allem: die breite Bevölkerung tut sich leichter darin, solche Gewalt zu tolerieren. Hier haben Führer der Kirche oder christlicher Gemeinschaften eine hohe Verantwortung. Denn wenn über Homosexuelle "von der Kanzel" verkündet wird, es handele sich hierbei um das Böse, einen Schaden der Gesellschaft, eine Anomalie, eine Verirrung der Schöpfung, wenn verkündet wird, dem liebenden Zusammenleben Homosexueller einen rechtlichen Rahmen zu gewähren, sei eine schwerwiegend unsittliche Handlung oder Ausdruck einer endzeitlichen Spaßgesellschaft – dann wird das Klima geschaffen, in dem gewaltbereite Radikale Rückhalt verspüren. Um dem entgegenzuwirken, reicht es nicht, von Achtung, Mitleid und Takt zu sprechen oder davon, man selber diskriminiere doch niemand. Hier gilt es, von der Kanzel ein Wort "für die Sache der Stummgemachten" zu sprechen. Machen Sie sich bitte frei von Vorurteilen über Homosexuelle, wie sie die religiösen Gegendemonstranten von Straßenparaden übernommen haben. Homosexuelle führen oft ein völlig normales Leben in stabilen Beziehungen - und sie sitzen als treue Diener ihrer Kirchen und Christlichen Gemeinschaften mitten unter Ihnen. Das Unrecht, das unseren Brüdern und Schwestern in unseren Nachbarländern geschieht, schmerzt uns tief. Schauen Sie als diejenigen, deren christliches Wort Gewicht hat, nicht weg! Werfen Sie Ihr Wort in die Waagschale für die, die auch geringste Brüder und Schwestern Christi sind! In Christus verbunden © 2006 Valeria Hinck (Dies ist die Druckversion von: http://www.zwischenraum.net/GewaltOsten.htm) |