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Ein Bericht vom Zwischenraum-Treffen in Wiesbaden 2007Echt, Mutmachend, Bewegend, HumorvollEs begann am Freitag mit dem Abendessen. Danach eine Lobpreis-Zeit, ein wenig Organisatorisches und die Vorstellung der Hauskreise und einzelner Mitarbeiter usw. Am Samstag gab es nach dem Frühstück dann die beiden Bibelarbeiten über die Jahreslosung. Am Nachmittag dann die Workshops und am Abend ein Grillfest im Innenhof mit anschließender Disco bzw. gemütliches Quatschen und Sternenhimmel. Am Sonntag gab es erst einen Gottesdienst, anschließend Brunch und Ausklang und Verabschiedung. Für mich war es das erste Zwischenraumtreffen in Wiesbaden, daher war ich schon recht gespannt, was mich hier so erwarten würde. EchtWas mir schnell auffiel war, daß es einem hier leicht fällt, einfach man selbst zu sein. In Gesprächen hörte ich immer wieder, wie schwer sich etliche damit tun, in ihrer Gemeinde echt zu sein und sich selbst einzubringen. So ging es auch mir, obwohl ich mich in den letzten Monaten schon um einiges ‚freigestrampelt‘ habe in meiner Gemeinde. Aber so ein unbefriedigender Zustand eines 'halben' Lebens, der teilweise über viele Jahre antrainiert wurde um nicht aufzufallen, kann hier plötzlich abgelegt werden. Und das zu erleben empfand ich sehr entspannend. Man fängt an zu atmen und sich frei zu fühlen, und ich ahne, wie Gott sich das Leben vorgestellt hat. MutmachendBei der Vorstellungsrunde der Gruppen dachte ich zunächst, dass das ja sehr lange dauern kann. Das hat es dann auch, aber es war nicht langweilig, denn es war einfach sehr spannend und interessant, so ganz kleine Einblicke zu bekommen in die einzelnen Biografien der Menschen. Natürlich gibt es immer noch und immer wieder auch Berichte, die frustrieren, verletzen und wütend machen. Aber in den Gesprächen im Laufe des Wochenendes begegnete ich auch immer wieder Menschen, die Mutmachendes zu erzählen wussten. Da hörte ich von positiven Reaktionen einer Gemeinde auf ein Outing. Oder ich hörte von den Hürden einer Segnung eines lesbischen Paares in der Kirche, und wie sie gelöst wurden und der Gottesdienst dadurch zu etwas ganz besonderem wurde. Die Bilder, die ich während des Gesprächs vor Augen hatte, haben mich sehr bewegt. Und wenn man dann spürt, mit welcher Wärme die Menschen davon erzählen, dann macht es mich glücklich und macht mir Mut. Es scheint sich doch etwas zu bewegen in manchen Gemeinden. Dabei fällt mir auf (und habe das erst kürzlich erlebt), daß meistens erst dann ein Umdenken beginnt, wenn Christen nicht nur im Allgemeinen von 'den Schwulen und Lesben' sprechen, sondern plötzlich aus ihrer Mitte ein Mensch sich outet und sie gezwungen sind, sich mit diesen Themen auseinander zu setzen, einfach weil sie diesen Menschen mögen, der sich ihnen gegenüber outete. BewegendDas Singen fand ich sehr bewegend. Ich komme aus einer pietistischen Tradition, und war kein grossartiger Fan von Lobpreis-Liedern. Aber an diesem Wochenende hab ich gemerkt, welche tiefe Bedeutung in so mancher Zeile steckt. Zu den Lobpreis-Zeiten und ganz besonders im Gottesdienst merkt ich, wie ergreifend es ist, wenn knapp 100 Christen, jeder mit einer ganz besonderen Lebensgeschichte, Zweifeln und Fragen, dann solche Zeilen singen wie 'Vater wir sind hier, kommen wie wir sind' (aus dem Lied 'Wir beten dich an'). Solche Zeilen bekamen für mich und ganz offensichtlich für viele andere eine ganz besondere Tiefe und Echtheit, und das spürte ich im Gesang. Ich lernte ein wenig, was es mit dem Lobpreis auf sich hat, wenn man sich drauf einlässt. Mich hat der Gesang während des Treffens einige Male sehr bewegt, und mir standen Tränen in den Augen (auch wenn ich mich zusammengerissen habe – was mich eigentlich ärgert, denn wo sonst kann man seine Gefühle offen zeigen, wenn nicht hier - daran muss ich also noch arbeiten). Aber auch im Umgang miteinander ist sehr behutsam, warmherzig und liebevoll. Das wünschte ich mir in meiner Gemeinde auch, aber mir scheint, dazu Bedarf es immer jemanden, der damit anfängt, aufsteht und den Prozess in Gang bringt. HumorvollJa, das war es wirklich, in ganz vielen schönen Momenten. Das Anspiel im Gottesdienst war herrlich. Und Esther's Moderation auch (wie war das mit den Beauty-Cases von uns Schwulen? ;-). Sogar in den Bibelarbeiten kamen diese Momente zum Vorschein, wo das Lachen so herrlich befreiend war. Das tat immer wieder gut. Bei aller Ernsthaftigkeit des Themas Homosexuelle Christen und Gemeinde müssen wir unbedingt unseren Humor beibehalten! zum SchlußDie Bibelarbeiten zur Jahreslosung – was war da viel Stoff zum Nachdenken drin! Ich hab nur noch einige Bilder vor Augen und das, was in mir noch nachklingt. Am Besten ihr lest sie einfach selber nach sobald sie auf der Homepage reingestellt werden. Auch das, was im Gottesdienst davon aufgegriffen wurde, hat mich gestärkt: Schaut nach vorne, denn ich will etwas Neues tun! Ja, ich bin sehr gespannt, wie es bei mir, bei meinen Freunden und Bekanntschaften weitergeht. Im nächsten Jahr werde ich wohl einiges erfahren, denn ich habe mir ganz fest vorgenommen, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein – ich freu mich jetzt schon riesig drauf! Ach, und noch was . . . Jungs, nächstes Jahr will ich beim Fußball nicht wieder der einzige Schwule unter lauter Lesben sein! :-) © 2007 Ecki (Dies ist die Druckversion von: http://www.zwischenraum.net/bericht_wiesbaden2007.htm) |