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überregionales Treffen in Wiesbaden 2006

Nun war es also wieder soweit. Das Jahrestreffen der Zwischenräumler in Wiesbaden stand vor der Tür. Dieses Jahr ging ich wesentlich freudiger zu der Veranstaltung, da ich eim letzten Treffen schon dabei gewesen war und ich somit wusste, was mich erwarten würde. Ein schönes Tagungshaus in einer schönen Gegend, gute und wertvolle Themen, sowie nette Menschen aus dem deutschsprachigen Raum. Ich ging auch wesentlich erleichterter hin, da ich nach dem letztjährigen Treffen in eine Zwischenraumgruppe nach Zürich eintrat und dort nun fest dabei bin. Aus meiner Gruppe waren ebenfalls noch 5 weitere Männer auf der Tagung und so war es für mich etwas besonderes mit der Gruppe zu dem Wochenende zu fahren und zu erleben.

Dennoch beschlich mich - wie auch im letzten Jahr - ein leicht beklommenes Gefühl. Irgendwie scheint es nicht so leicht zu sein, in einem schwul-lesbisch-christlichen Kontext frei auf die Menschen zuzugehen. Für mich ist das eine interessante Erfahrung, aber auch ein Wunsch, mehr Vertrautheit untereinander entwickeln zu können. So konnte man beobachten, dass die Lesben mehr unter sich waren, aber auch die Schwulen. Auch die einzelnen Ortsgruppen waren tendenziell mehr miteinander beschäftigt. So war es eher schwierig andere Kontakte aufzubauen, aber es war nicht unmöglich. So war der Spaziergang am Samstagnachmittag eines meiner Highlights, da es so möglich war ganz interessante Menschen kennenzulernen, unterstützt durch eine kleine Anleitung von Jonas, wie wir auf uns fremde Menschen zugehen können. Ich finde es in allen Gesprächen immer wieder befreiend zu sehen, wie viele eine ähnliche Geschichte haben wie ich. Menschen, die Jesus in ihren Herzen tragen, genauso wie ihre sexuelle Identität und den darin verbundenen Verletzungen durch andere Christen und deren Gemeinden oder Werke. Hier fühle ich mich verstanden, habe das Gefühl aufrecht gehen zu können und nicht gebeugt und versteckt oder verschüchtert, wie ich mich oftmals unter den "normalen" Christen fühle. Diese Gemeinschaft aufgrund gemeinsamer Wurzeln, nämlich Christ und schwul oder lesbisch zu sein finde ich nur in der Zwischenraumortsgruppe. Auf dem Wochenende sehe ich dann wie viele andere Menschen es noch gibt, die diese Gemeinsamkeit haben. Besonders im Gottesdienst am Sonntag war diese Gemeinschaft spürbar. In der Kapelle sangen 80 schwul-lesbische Menschen "Grosser Gott wir loben Dich". Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter, aufrecht vor Gott stehend, erwünscht und mutig, voller Leben. Dies war für mich der absolute Höhepunkt und trug mich die Tage danach in meinem Alltag.

Speziell empfand ich auch dieses Jahr, wenn sich Heteros in den großen Kreis von Schwulen und Lesben wagen. Dieses Jahr fand am Samstagabend ein Liederabend mit Marcus Watta und seiner Frau Rebecca statt. Die Stimmung, die die beiden durch ihre Art und Lieder aufbrachten war phänomenal. Ihr Bekenntnis Zwischenraum und die Menschen die darin einen Platz gefunden haben, als ein gesegnetes Werk zu erachten, war wie Balsam für meine Seele. Ich merke, dass mir Worte der Annahme aus den Mündern heterosexueller Christen viel stärker mein Herz berühren, da gerade aus deren Münder mein Herz verletzt und über mein Leben gerichtet wurde. Auch sonst wurde viel geredet. Die Impulse von Jeremy waren interessant, nachdenkenswert und einladend sich darauf zu besinnen, wer wir in Christus sind: nämlich geliebte Kinder Gottes. Dies umfasst alles, mein ganzes Sein. Das ermutigte mich sehr meinen Weg mit meinem Schwulsein und Jesus weiterzugehen.

Beiträge von Sprechern

  • Wer bin ich
    Hier die versprochene Langfassung der Predigt vom Jahrstreffen in Wiesbaden 2006 zum Thema "Wer bin ich?". Es ist eine Predigt und keine wissenschaftliche Abhandlung, geprägt von all den "Wer bin ich-s?", die mir in so vielen Gesprächen begegnet sind, und von ganz konkreten Menschen mit ihren konkreten Fragen, die mir dabei vor Augen stehen.
  • © 2006 Timo

    (Dies ist die Druckversion von: http://www.zwischenraum.net/wiesbaden_06.htm)