BIBEL UND HOMOSEXUALITÄT

Gedanken eines homosexuellen Christen… – Eine biblische Perspektive zum Thema Homosexualität, die die gängige Auslegung in Frage stellt.

Einleitung

Ich möchte eine biblische Perspektive zum Thema Homosexualität geben, und zwar unter Berücksichtigung von Fakten, die gängige Auslegungen in Frage stellen. Dieser Ansatz erfolgt aus dem Dilemma eines Christen, der homosexuell empfindet und gleichzeitig die Bibel sehr ernst nehmen will! Mir ist die Subjektivität bewusst, die sich aus solch einem Ansatz ergibt, sehe aber darin gerade eine große Chance, Dinge zu sehen, die andere aus ihrer Perspektive nicht wahrnehmen!

Bei anderen Themen wie Schöpfung – Evolution, Frauenordination, Scheidung und Wiederheirat, Israel, Todesstrafe u.a. existieren schon sehr unterschiedliche und sogar gegensätzliche Standpunkte innerhalb der evangelikalen (!) Christenheit. Mit Aussagen wie „aber in der Bibel steht doch ganz klar, dass…" sprechen sich Kontrahenten gegenseitig die „Bibeltreue“ ab!

Folgende Prämissen prägen meinen Versuch, sowohl ehrlich mit allen Fakten als auch ehrfürchtig vor Gott mit der Bibel umzugehen:

  • Alle Wahrheit ist Gottes Wahrheit
  • Unsere Erkenntnis ist immer Stückwerk
  • Die Bibel legt sich durch sich selbst aus
  • Die Auslegung der Bibel zum Thema Homosexualität muss den gleichen Kriterien folgen wie die Auslegung zu anderen Themen
  • Es gibt Dinge im Leben, die in der Bibel, auch im Neuen Testament, weder eindeutig noch endgültig für alle Lebenssituationen geklärt werden

Ich möchte den Leser herausfordern, neue Gedanken einmal mitzudenken und sich dann erst ein eigenes Urteil zu erlauben. Vorgefasste Meinungen wie „überzeugte Christen haben schon immer Homosexualität abgelehnt“ (Majorität als Argument) oder „überzeugte Christen waren mit ihrer Auffassung schon immer in der Minderheit in dieser Welt“ (Minorität als Argument) sind für mich keine gültigen Prämissen. Wer so denkt, kann sich die folgende Auseinandersetzung eigentlich sparen. Ebenso schwer werden sich „liberale“ Christen tun, die, solange die Bibel ihre Überzeugungen stützt, die Bibel erstaunlich wörtlich nehmen (Beispiel Feindesliebe, Freiheit vom Gesetz), sobald sie das nicht tut, sie sehr schnell dem Zeitgeist opfern.

Einzelne Aussagen der Bibel zu relativieren aufgrund von unumstößlichen Fakten, ist nicht gotteslästerlich. Das bekannte Beispiel des „wiederkäuenden Hasen“ (3Mose 11,6), das noch niemanden in eine ernsthafte Glaubenskrise gestürzt hat, zeigt, dass Gott selbst es vorzieht, sich der damaligen Wahrnehmung der Menschen anzupassen, anstatt durch wissenschaftliche Wahrheiten zu irritieren! (Der Text in 3. Mose ist ja gar nicht dazu da, eine biologische Einteilung der Tiere vorzunehmen, sondern verfolgt ein ganz anderes Ziel: Dem Menschen eine praktische Möglichkeit zu schaffen, Glauben auszudrücken)

Es ist nicht etwas Sünde, weil es einer Sünde so ähnlich sieht…

Bevor ich auf die eigentlichen Bibelstellen zum Thema Homosexualität zu sprechen komme, möchte ich anhand Onans Sünde erläutern, wie wichtig Differenzierung beim Thema Sexualität ist.

Ich wähle bewusst dieses Beispiel (1Mose 38,8-10), da einerseits sehr klar Onans Sünde benannt wird (es gibt auch keinen Streit über die Auslegung), andererseits dennoch dieser Name Onan für die Wortschöpfung Onanie gebraucht wurde.

Der Text sagt, dass Onan seine Sünde wiederholt beging! Es scheint, dass er tatsächlich nicht nur seiner Pflicht, Nachkommen zu zeugen, nicht nachkam, sondern diese Frau regelrecht missbrauchte für eine egoistische Zusatzbefriedigung. Er beging also eine doppelte Sünde. Seine sexuelle Tat war Sünde aufgrund seiner sündhaften Motivation und weil sie eine soziale Sünde darstellte.
Selbstbefriedigung oder „koitus interruptus“ nun aufgrund dieser Textstelle generell zu sexuellen Sünden zu erklären, ist absurd, auch wenn sich der Akt an sich nicht unterscheidet von dem des Onan. Es ist also nicht automatisch etwas Sünde, weil es einer Sünde (nach außen hin) so ähnlich sieht!
Die Bibel macht in ethischen Fragen sehr deutlich, dass gerade die Motivation zur Tat und der Kontext den großen Unterschied machen: Mord nein – Tötung eines Menschen oft ja!

Die Implikationen für das Thema Homosexualität sind offensichtlich: Es gilt, auch die Bibelstellen zu diesem Thema im gleichen Sinne zu beleuchten. Wenn also die Motivation zu homosexuellem Verhalten und dessen Kontext in den relevanten Texten eine entscheidende Rolle spielt, darf man diese Bibelstellen nicht einfach auf anders motiviertes homosexuelles Verhalten in u. U. völlig anderem Kontext anwenden.

Was sagt die Bibel über homosexuelles Verhalten?

Ich bin der Meinung, dass die Bibel doch recht ausführlich zum Thema Stellung nimmt, zumindest ausführlich und anschaulich genug, um ein Bild zu bekommen von dem, was sie unter homosexuellen Sünden versteht.

Es gibt zwei Gruppen von Texten über „Homosexualität“:

  1. Einmal die jeweils kurze Erwähnung von homosexuellen Sünden im Rahmen einer „Sündenliste“, ohne diese näher zu beschreiben: Lev 18,22; Lev 20,13; Dtn 23,18-19; 1Kor 6,9-11; 1Tim 1,10
  2. Ausführliche Berichte bzw. Auseinandersetzungen mit dem Thema: Gen 19,1-10; Ri 19,22-26; Röm 1,18-32

Zur ersten Gruppe ist zu sagen, dass keineswegs eindeutig ist, ob Homosexualität im Allgemeinen gemeint ist, oder speziell Prostitution oder Päderastie. Das kommt auch in den unterschiedlichsten Übersetzungen zum Ausdruck. Die Stellen in Levitikus könnten jedenfalls sehr allgemein verstanden werden. Gerade darin liegt aber die Herausforderung, dennoch zu prüfen, wie allgemein diese Stellen zu deuten sind, um nicht denselben Fehler zu begehen wie bei der Auslegung der Zehn Gebote, nämlich „Du sollst nicht töten!“ (allgemein) zu übersetzen anstatt „Du sollst nicht morden!“ (also doch recht speziell).

Ich habe eingangs erwähnt, wie wichtig ich es finde, die Bibel mit der Bibel auszulegen. Ich halte es für grundsätzlich notwendig, offene Fragen, die sich aus den Bibelstellen der ersten Gruppe ergeben, anhand der zweiten Gruppe zu klären, da wir hier längere Texte haben, die sich mit dem Thema ausführlich befassen und zudem die Bibel hier (Gott sei Dank!) das Thema nicht theoretisch angeht, sondern ohne Tabus beschreibt, worin die Sünden der „Homosexuellen“ – oder besser – der homosexuell Handelnden bestehen!

Homosexuelle Sünden

Auffällig ist, dass in allen drei Haupttexten (Gen 19; Ri 19; Röm1) ein roter Faden zu erkennen ist:

  • Die beschriebene sündhafte Homosexualität wird in bewusster Rebellion gegen Gott selbst und seine Ordnungen praktiziert.
  • Sie drückt sich sogar in Missbrauch anderer aus (Gefühlskälte und Gewalt sind in allen drei Texten ein großes Thema).
  • Homosexualität als Sünde ist in allen drei Texten überraschenderweise vor allem eine Sünde Heterosexueller und wird in ihrer abartigen Form von keiner Minderheit, sondern teilweise sogar von einer Mehrheit einer Bevölkerungsgruppe praktiziert.

Im Folgenden möchte ich die Besonderheiten in Form eines Kurzkommentars erwähnen:

Genesis 19,1-10:

  • es handelt sich um eine große Gruppe, um „die Männer von Sodom, alle miteinander, alte und junge…“
  • ihr Ziel: Vergewaltigung der Gäste Lots
  • Gewaltandrohung und Gewaltanwendung
  • Es müssen Heterosexuelle gewesen sein, sonst wäre Lots Versuch, ihnen Frauen als Ersatz anzubieten, absurd

Richter 19,22-26:

  • wieder handelt es sich um „die Männer der Stadt“
  • wieder das Ziel: sexueller Missbrauch
  • diesmal nehmen die Männer den Frauenersatz an und vergewaltigen die Frau „die ganze Nacht“ – für einen homosexuell empfindenden Mann absoluter Irrsinn

Römer 1,18-32:

  • für Paulus ist sündhafte homosexuelle Praxis etwas, wofür sich Heterosexuelle, die schon Geschlechtsverkehr mit Frauen hatten, bewusst entscheiden. Für eine rein kollektive Umdeutung dieser Bibelstelle, dass Paulus hier nicht vom einzelnen Homosexuellen spricht, gibt der Text selbst keinen Hinweis – im Gegenteil! Wie die alttestamentlichen soeben genannten Texte beschreibt auch Paulus, dass es diese bewusste Entscheidung gibt! Alle anderen Sünden, die Paulus hier nennt sind gleichsam tatsächliche Sünden Einzelner und nicht „ein Schicksalszustand, in den man unschuldigerweise geraten ist“, wie manche betreffs Homosexualität behaupten! Und:
  • Homosexualität in ihrer sündhaften Form ist keine „normale“ Sünde wie jede andere, sondern eine Folgesünde von Rebellion und Götzendienst; sie ist damit Ausdruck von Gottes Gericht („darum hat Gott sie (! – nicht ihre Nachkommen!) hingegeben…“), also eine Strafe Gottes für Rebellion. „So empfangen sie am eigenen Leib (!) den gebührenden Lohn…“: Mit gebührendem Lohn ist im Text die Homosexualität selbst, nicht nur etwaige Folgen derer gemeint! Für Paulus gilt die Parallele: So wie der Mensch Gott und Schöpfung vertauscht (Vers 25), vertauscht Gott als Strafe Mann und Frau (Verse 26-27).

Was Paulus hier sagt, entspricht auch heutiger erlebter Realität: Wer Gegen Gott rebelliert, sucht woanders Erfüllung – da reicht Sex zwischen Mann und Frau nicht mehr aus!

Parallelen in unserer Kultur lassen sich da durchaus feststellen: Auch heute gibt es vermehrt Unsicherheiten, was die sexuelle Identität Heterosexueller anbetrifft. Unbefriedigender Sex (da man in der Sexualität das Paradies sucht, aber nicht findet!) führt zu Lust an immer neuen Sexspielen – „warum nicht auch mit Männern einmal Sex ausprobieren?!“ Die Anzahl solcher „Homosexuellen“ wächst!

Wenn man mit diesem Verständnis der drei Haupttexte die Texte der ersten Gruppe liest, kann man feststellen, dass diese nicht im Widerspruch dazu stehen! Im Gegenteil, das Bild wird abgerundet:

„Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie man bei einer Frau liegt!“ (Lev 18,22; 20,13) kann durchaus so gedeutet werden, dass ein Heterosexueller nicht homosexuell handeln soll.

Ich möchte an dieser Stelle nicht falsch verstanden werden. Der Text kann, nur für sich gesehen, natürlich auch allgemeiner ausgelegt werden (Verbot jeglicher homosexuellen Praxis). Wichtig ist allerdings festzuhalten, dass alle Gesetze in Lev. 18 zum Ziel hatten, die damals gültigen Normen zu bewahren, Normen, die keineswegs Punkt für Punkt in christlicher Ethik Platz gefunden haben: Verbot des Geschlechtsverkehrs während der Menstruation (Lev 18.19), Regeln für polygamen Geschlechtsverkehr (Lev 18,17-18). Angesichts dieser vielen Gesetze allein in Levitikus 18, die alle gleich ´deutlich und unmissverständlich´ proklamiert werden, dürfen wir Levitikus18,22 nicht unabhängig von den anderen Bibeltexten und auch nicht unabhängig vom ganzen Kapitel Levitikus. 18 auslegen bzw. anwenden.

„Unter den Frauen Israels soll es keine sakrale Prostitution geben, und unter den Männern Israels soll es keine sakrale Prostitution geben. Du sollst weder Dirnenlohn noch Hundegeld in den Tempel des Herrn, deines Gottes, bringen.“ (Dtn 23,18-19)

Dieser Text ist eindeutig und bezieht sich ausdrücklich auf Prostitution. Er bestätigt, dass es sowohl heterosexuelle als auch homosexuelle Sünden gibt.

Je nach Übersetzung kommt man in 1. Korinther 6,9-11 und 1. Timotheus1,10 u.U. zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Worte wie Lustknaben, Knabenschänder, Prostituierte, Perverse oder eben „homosexuell Verkehrende“ werden gebraucht. Keine der anderen Sünden in diesen Sündenlisten ist schwer zu definieren – die verschiedenen Worte, die die Übersetzer wählen, sind, wenn unterschiedlich, nur Synonyme und überhaupt nicht widersprüchlich – nur bei der genannten homosexuellen Sünde bleibt offen, ob es sich um spezielle homosexuelle Sünden oder allgemein um Homosexualität als Sünde handelt.

Im Folgenden ein Überblick anhand von drei Übersetzungen (1Kor 6,9-10):

Einheits-
übersetzung

Gute Nachricht

New International Version

Ungerechte 

Menschen, die Unrecht tun

The wicked

Unzüchtige

M, die Unzucht treiben

The sexually immoral

Götzendiener

M, die Götzen anbeten

Idolaters

Ehebrecher

M, die die Ehe brechen

adulterers

Lustknaben

M, die als Männer mit Knaben oder ihresgleichen verkehren

male prostitutes

Knabenschänder

M, die als Männer mit Knaben oder ihresgleichen verkehren

homosexual offenders

Diebe

Diebe

thieves

Habgierige

Wucherer

the greedy

Trinker

Trinker

drunkards

Lästerer

Verleumder

slanderers

Räuber

Räuber

swindlers

Dieser Vergleich sollte zur Vorsicht mahnen, dass man auch hier das Thema Homosexualität besser sehr differenziert angeht und im Lichte der drei Haupttexte auslegt.

Vergleicht man 1. Korinther 6,9-11 mit Römer 1,18-32, was sinnvoll ist, da beide Texte den gleichen Autor haben, so fallen Parallelen auf:

  • Homosexualität ist eindeutig ein Kennzeichen der Ungläubigen
  • So wie Menschen, die Gott den Rücken kehren, von Gott mit Homosexualität bestraft werden (Röm 1), so werden Menschen, die zu Gott umkehren und Christen werden, durch Jesus von Homosexualität befreit (1Kor 6,11)
  • Homosexuelle Christen gibt es bei Paulus schlichtweg nicht! Auch die von vielen Christen betonte Unterscheidung zwischen homosexueller Orientierung oder homosexuellem Empfinden als unverschuldetes Schicksal einerseits – und homosexuellem Verhalten als Sünde andererseits ist nicht nur in der Bibel nicht zu finden, sondern widerspricht völlig der Auffassung des Paulus, dass schon homosexuelle Lust eine sündhafte Verirrung darstellt und selbst verschuldet ist!

Hat Paulus nun recht oder nicht?

Ich möchte an dieser Stelle in Bezug auf Paulus eine Schlussfolgerung vorweggreifen: Mit erweitertem Erkenntnisstand (Homosexualität kann verschiedene Ursachen haben – v.a. andere als Paulus anspricht / es gibt auch Homosexualität als Orientierung) würde Paulus tatsächlich anders über Homosexualität schreiben, so wie er in einer anderen Kultur oder Zeit auch anders als in 1Tim 2,9-15 über die Rolle der Frau in der Gemeinde und anders als in 1Kor 11,3-16 über beide Geschlechter schreiben würde!

Paulus hat bewiesen, dass er sehr gut differenzieren kann: Beispiel Götzenopferfleisch in 1Kor 10,14-33.

Er lehrt selbst: „Unsere Erkenntnis ist Stückwerk!“ (1Kor 13:9) – und er würde seine eigene Erkenntnis zum Thema Homosexualität, ohne die Grundaussagen in Römer 1 revidieren zu müssen, erweitern.
Paulus wollte in Röm. 1 nicht Menschen, die homosexuell orientiert sind, verunglimpfen, sondern Homosexualität als bewusste Abkehr von Heterosexualität als Übel beim Namen nennen, weil er eben überwiegend oder vielleicht nur so Homosexualität in seinem Umfeld erlebt bzw. wahrgenommen hat!

Paulus hat also auch heute noch Recht – in diesem seinem Sinne!

Die entscheidende Frage geht an uns:
Haben wir das Recht, eine begrenzte „Erkenntnis als Stückwerk“ zum Maßstab aller Facetten erlebter und gelebter Homosexualität zu machen?!

Wenn viele Christen glauben, dass Homosexualität eine Identitätsstörung und psychische Fehlentwicklung in der Kindheit darstellt, verlassen sie das Verständnis des Paulus von rein geistlicher Ursache und geistlicher Überwindung von Homosexualität. Das kann man ja aus Überzeugung und geglaubter erweiterten Erkenntnis tun, genauso wie Christen, die ihre Homosexualität annehmen können, sich nicht mit der Art der Homosexualität wie Paulus sie beschreibt, identifizieren. Nicht nachvollziehbar ist hingegen, wenn Menschen, die selbst Ursache und Veränderung der Homosexualität differenzierter und anders als Paulus verstehen, diese Bibelstellen dennoch benutzen, um jegliche Form der Homosexualität undifferenziert als Sünde zu deklarieren.

Scheinbare Widersprüche …

Ich möchte im Folgenden die Biblischen Aussagen zum Thema, wie schon ausgeführt, zusammenfassen und einer erweiterten „Faktenlage“ (Erfahrungen, Beobachtungen, Erkenntnisse) gegenüberstellen, um die Notwendigkeit einer differenzierten Auslegung zu verdeutlichen:

Biblische Aussagen

Erweiterte „Faktenlage“

„Homosexuelle“ sind gewaltbereite Verbrecher, die andere missbrauchen

Homosexuelle sind ganz normale Menschen; auffällig ist eine eher friedfertige Persönlichkeit

Homosexualität ist eine Sünde, die große Anteile einer Bevölkerungsgruppe erfassen kann (Heterosexuelle handeln homosexuell)

Homosexuelle stellen gewöhnlich eine kleine Minderheit dar, selbst in einer nichtgläubigen Gesellschaft / Kultur

Homosexualität ist ein Kennzeichen der Gottlosen / Ungläubigen

Homosexualität kommt bei Gläubigen genauso vor wie bei Ungläubigen

Homosexualität ist eine Sünde, von der man befreit werden muss, indem man Christ wird (1Kor 6,11)

Unterschiedliche Standpunkte: Homosexualität ist eine Orientierung, ein Schicksal, ein Leid, eine sex. Variante, eine psych. Störung …

Ursache für Homosexualität ist geistlich: Undankbarkeit, Götzendienst, Rebellion gegen Gott. Homosexualität ist Strafe Gottes

Ursachen sind komplex: Genetische, embryonal-hormonelle, entwicklungsbedingte und soziologische Faktoren spielen eine Rolle

Auch hier können wir fragen: Welche Seite hat nun recht? Warum nicht beide?!

Angesichts der Fakten auf beiden Seiten wird ein differenzierter Umgang mit Homosexualität zur Pflicht. Die Homosexualität, die die Bibel beschreibt, erfasst eben nicht das ganze Spektrum erlebter Homosexualität und deshalb dürfen die Bibelstellen auch nicht auf das ganze Spektrum angewandt werden.

Es wurden schon oft unzulässige Verallgemeinerungen in der Exegese gemacht, die viele Verletzungen bei Betroffenen verursacht haben, vor allem beim vermeintlichen Erkennen von Ursache und Wirkung:

Die Bibel lehrt tatsächlich, dass die Unfruchtbarkeit einer Frau oder Krankheit oder Niederlage im Krieg Strafen Gottes sein können, aber jede Verallgemeinerung dieses Gedankens ist fatal und letztlich sehr unbiblisch.

So ist eine Verallgemeinerung der Fakten der „linken Spalte“ unzulässig.

Anders ausgedrückt: Christen, die homosexuell empfinden und Homosexualität gemäß ihrer Orientierung praktizieren, finden sich in keiner der vorliegenden Texte wieder, es sei denn, sie haben homosexuelle Praktiken entwickelt, die sündhaften Charakter aufweisen (Beispiel: Missbrauch anderer), oder die Ausdruck einer Sexsucht darstellen (Bezug zu Götzendienst?).

In diesem Zusammenhang sollte sich jeder Betroffene mit allen Bibelstellen zum Thema „Unzucht“ auseinandersetzen – ein Thema, das unabhängig von der sexuellen Orientierung bedeutsam ist. Diese Bibelstellen zeigen auf, dass es sündhafte Sexualität gibt, die nicht aus einer besonderen Beziehung zu einem Menschen erwächst, die kein Ausdruck der Verbundenheit und Liebe ist bzw. nicht dazu führt – also eine Sexualität ohne Verantwortung, die den Körper eines Menschen als reines Mittel zum Zweck gebraucht. Ich denke da vor allem an Pornographie und ausgeprägter Promiskuität.
Männer scheinen hier viel anfälliger zu sein als Frauen. Dass Unzucht bei homosexuellen Männern häufiger vorzukommen scheint, liegt nicht an ihrer Homosexualität, sondern an ihrem Mannsein (genau das wird Homosexuellen paradoxerweise von manchen Leuten abgesprochen!). Logisch, dass sich diese Anfälligkeit bei zwei Männern dann potenziert! Heterosexuelle Männer sind genauso anfällig, wie die Realität (Prostitution, Pornographie) zeigt. Die entsprechend geringere Promiskuität von homosexuellen Frauen bestätigen, dass die Neigung zu bzw. die Abneigung gegen oberflächlichen Sex ihre Ursache im Geschlecht selbst und eben nicht in der sexuellen Orientierung hat!

Warum spricht die Bibel nicht in direkter Weise POSITIV über Homosexualität?

Ich denke, dass es zwei Gründe dafür gibt:

Erstens steht das Thema Homosexualität in der Bibel zu sehr in Verbindung mit Heidentum und Götzendienst. Der Schwerpunkt musste daher Abwehr und Abgrenzung sein. Daraus zu schlussfolgern, es gäbe gar keine andere Art der Homosexualität, ist nicht zwingend, genauso wie auch ein Christ (anders als ein Zeuge Jehovas) Geburtstag feiern darf, auch wenn die Bibel nur Negatives in Verbindung mit Geburtstagsfeiern überliefert.

Zweitens stellt Homosexualität in Gottes Schöpfungsordnung kein allgemeines Ziel dar, nach dem jeder Mensch sich bewusst ausstrecken sollte, genauso wenig wie Polygamie Gottes Ziel darstellt. Allerdings zeigt die Bibel gerade beim Thema Polygamie, dass Gott ein weites Herz und viel Zeit hat, auch solche aus unserer Sicht vielleicht nicht „normalen“ und ungewöhnlichen Lebensweisen vorläufig zu erlauben und zu regeln, da sie durchaus einen positiven Teil des Lebens einzelner Menschen darstellen können.

Interessant ist in diesem Zusammenhang 2Sam 12,7-9: Der Prophet Nathan sagt doch tatsächlich, dass Gott selbst David seine vielen Frauen geschenkt hat! Der Ehebruch, den David beging, bestand eben nicht darin, seine eigene(n) Ehe(n) zu brechen sondern die des Urija! Da Davids Frauen Geschenke Gottes an ihn sind, hätte er Gott dankbar sein können für diese! Diese positive Haltung und Dankbarkeit wären übrigens keineswegs ein Angriff auf die Ursprünglichkeit und Besonderheit der Monogamie. Genauso wenig ist eine Bejahung einer homosexuellen Orientierung ein Angriff auf die heterosexuelle Grundordnung Gottes! Meistens wird 2.Sam.12 nicht differenziert ausgelegt, eben weil Polygamie in christlicher Ethik nur noch negativ gesehen wird – verständlicherweise, da die Frau heute eine ganz andere Stellung hat!
Die veränderte Haltung zu Polygamie in christlicher Ethik ist ein gutes Beispiel dafür, dass die verkürzte Argumentation „aber die Bibel sagt doch…“ nicht weiterhilft.

Die Bibel spricht auch über Selbstbefriedigung nicht positiv (sondern gibt nur ein negatives Beispiel: Onan, siehe oben), weil Selbstbefriedigung kein Ziel oder allgemeines Ideal gelebter Sexualität darstellt. Ohne „vollkommen“ sein zu müssen, ist Selbstbefriedigung aber keine moralisch verwerfliche Sünde, sondern kann in sich natürlich und positiv erlebt werden. Paulus war dieses Thema sehr wohl bekannt, aber er schreibt bewusst nicht darüber, auch nicht an der Stelle, wo er den unaufhaltsamen Druck sexueller Energie explizit anspricht: 1Kor 7,9. Er weist nur auf das Ideal Partnerschaft als bessere Lösung hin, und zwar für den Menschen, der seine sexuelle Energie nicht bändigen kann! 1Kor 7 mahnt uns, beim Thema Sexualität nicht zu pauschalisieren. Das Gewissen des Einzelnen ist gefragt. Paulus erkennt sehr realistisch, dass Sexualität und deren Intensität sehr unterschiedlich erlebt wird und dass es kein allgemeines falsch oder richtig für alle gibt.

Homosexualität darf also nicht grundsätzlich als abartig abgetan werden aufgrund der Tatsache, dass die Bibel über homosexuelle Freundschaften und Partnerschaften nichts explizit aussagt, genauso wenig wie Selbstbefriedigung als abartig oder sündhaft bezeichnet werden darf, nur weil die Bibel ein negatives und kein positives Beispiel schildert.
Von der Bibel zu „verlangen“, sie müsste zu bestimmten Lebensformen und Verhaltensweisen explizit positiv Stellung nehmen, um sie als Christ akzeptieren zu können, ist anachronistisch:
Die Menschen damals sind kurz nach ihrer Geschlechtsreife auch eine Partnerschaft eingegangen – einen 25-jährigen Single, der mit seiner Sexualität allein zurechtkommen musste, gab es wohl eher selten! Ebenso wenig gab es eine Ehe zwischen Mann und Frau, in der beide gleichberechtigte Partner waren, da die Frau einen total anderen Stand als in unserer Kultur hatte. Homosexualität bedeutete damals daher auch etwas ganz anderes, nämlich die Erniedrigung eines Mannes durch einen anderen Mann – genau so schildert ja Genesis 19 und Richter 19 Homosexualität! Homosexualität, die auf einer freundschaftlichen oder partnerschaftlichen Ebene gelebt wird, auf der ein Mann eben nicht die erniedrigte „Frauenrolle“ einnimmt, gab es deshalb wahrscheinlich höchst selten, wenn überhaupt.

Was sagt eigentlich Jesus?

Jeder Christ wünscht sich, dass Jesus wenigstens Klarheit bringt in die Unklarheiten und Spannungen des Lebens und der Bibel!
So ist es auffällig, dass Jesus Homosexualität selbst nicht direkt thematisiert, vielleicht gerade weil seine Zuhörer noch nicht reif waren für dieses Thema. Dennoch öffnet er ansatzweise eine Tür zu einer Welt, für die das Verständnis noch fehlte:
In Matthäus 19,3-12 spricht er revolutionär über Ehe und Sexualität. Ihm gelingt es wieder einmal, zu fokussieren und gleichzeitig zu differenzieren vor einer gemischten Zuhörerschaft (Liberale und Konservative)!

Jesus fokussiert: Er fordert radikal alle Liberalen heraus, das Ideal „monogame Ehe zwischen Mann und Frau“ nicht aufzulösen (Verse 3-9).

Und er differenziert: Er fordert seine gläubigen Jünger heraus, für Menschen, die diesem ursprünglichen Ideal nicht entsprechen können, oder aus höherer Motivation nicht entsprechen wollen, Raum zu geben (Verse 10-12). Er betont regelrecht, dass das, was er hier sagt, nicht von allen Menschen verstanden wird!
Jesus gelingt auch hier dieser Spagat, Gottes Wort nicht aufzuheben und sich gleichzeitig den Realitäten dieser Welt, eben gerade im Bereich erlebter Sexualität, zu stellen!
Ist Mt 19 ein Text, der Homosexualität als Thema einschließt? – Vielleicht ja, vielleicht nein! Ist Mt 19 ein Text, der homosexuelle Christen anspricht? – Definitiv ja!
Wusste Jesus, dass sich homosexuelle Christen hier verstanden und angenommen fühlen? – Mit Sicherheit ja!

Die Worte Jesu in Mt 19 sind die einzigen Worte in der Bibel zum Thema „von der Norm abweichendes Sexualempfinden“, die eine Brücke schlagen zum heutigen medizinischen, biologischen und psychologischen Erkenntnisstand! Jesus differenziert sogar zwischen genetischen, menschlichen und geistlichen „Ursachen“ für abweichendes Sexualempfinden und -verhalten. Da es für Homosexualität ebenso unterschiedliche Ursachen und Beweggründe gibt, ist dieser Text nicht nur für das behandelte Thema Asexualität relevant!

Jeder prüfe sich selbst…

Anstatt allgemeiner Schlussfolgerungen möchte ich Fragen stellen, die sich für jeden Christen, der homosexuell empfindet, aus den Bibeltexten ergeben – Fragen, die jeder für sich ehrlich beantworten kann und muss – Fragen, die sich übrigens auch alle heterosexuell Empfindenden stellen können:

  • Wie ist meine Beziehung zu Gott?
  • Gibt es einen Götzen, dem ich diene? (Macht, Körperlichkeit, Sexualität)
  • Kann ich Gott „danke“ sagen für meine Sexualität / Homosexualität?
  • In welchen Bibelstellen finde ich mich (nicht) wieder? Inwiefern?
  • Habe ich Tendenzen, andere zu missbrauchen / egoistisch sexuell zu handeln?
  • Wie kann ich meine Sexualität verantwortlich leben?
  • Hat meine Sexualität Suchtcharakter?
  • Welche Ausprägungen meiner (Homo)sexualität erlebe ich erfüllend, welche hinterlassen eine innere Leere?
  • In welche Richtung führt mich der Heilige Geist angesichts meiner (Homo)sexualität: zum Wunsch nach Veränderung / nach Enthaltsamkeit / nach ganzer Selbstannahme?

Männer und Zärtlichkeit

Zum Schluss möchte ich darauf hinweisen, dass die Bibel immerhin in sehr positiver und ergreifender Weise zwei Beispiele dokumentiert (David und Jonathan, Jesus und Johannes), bei denen deutlich wird, dass es eine Dimension der emotionalen und körperlichen Nähe zwischen Männern geben kann, die unsere Kultur verloren hat (oder nie hatte?). Ich persönlich glaube nicht, dass man diese Männerbeziehungen als homosexuell im klassisch erotischen Sinne bezeichnen darf, aber ich möchte die heterosexuelle Männerwelt herausfordern, sich diese Beispiele doch einmal genau unter die Haut gehen zu lassen!

David und Jonathan küssten und umarmten sich immerhin – nicht als herzliches Begrüßungsritual, sondern als Ausdruck ihrer tiefen Verbundenheit; David vergleicht sogar seine Freundschaft mit Jonathan mit seiner sexuellen Intimität mit Frauen: 2Sam 1,26:
„Du warst mir sehr lieb. Wunderbarer war deine Liebe für mich als die Liebe der Frauen.“
Würde dieser Vers nicht in der Bibel stehen, würden viele so eine Aussage als typische homosexuelle Verirrung abtun!

Jesus und Johannes hatten ebenso eine ungewöhnliche tiefe emotionale Bindung, die sich von normaler Freundschaft und von anderen abhob und sich körperlich ausdrückte.
In unserer homophoben Gesellschaft ist außer oberflächlichen kumpelhaften oder sportlichen Berührungen unter Männern gar kein Platz für Intimeres oder für Zärtlichkeit.
Ich habe bisher fast nur homosexuelle Männer getroffen, die dazu fähig waren – aber bisher keinen heterosexuellen Mann, der Homosexualität ablehnt, der solche Bedürfnisse teilt! (Nur Heterosexuelle, die deshalb den Kontakt zu Homosexuellen suchen).

Vielleicht wäre ein Ansatz für Heterosexuelle, die Homosexuellen „helfen“ wollen, wenn diese sich selbst einmal der Herausforderung der eigenen emotionsarmen Männerwelt und ihrer Homophobie stellen!
Vielleicht ist das aber auch überzogen, und der gewöhnliche heterosexuelle Mann braucht das einfach gar nicht und erlebt ausreichend Zärtlichkeit bei seiner Frau.
Vielleicht brauchte Jesus selbst als Mensch diese Nähe zu einem Mann, da er keine Frau hatte – und David, weil er zu viele Frauen hatte!? …

Es geht um Grundsätzliches...

In der Bibel gibt es, wie schon erwähnt, einige Aussagen, die in unsere Erfahrungswelt nicht einfach 1:1 übertragbar sind. Ich habe mich selbst gefragt, ob es eine andere bedeutende Thematik gibt, die ebenso umstritten ist (oder war) und bei der auch ein eindeutig klärendes positives neutestamentliches Wort Gottes „fehlt“.
Oben habe ich schon 1Tim 2,9-15 (vgl. 3,1ff) und 1Kor 11,3-16 erwähnt, wo Paulus explizit die Themen „Rolle der Frau in der Gemeinde“ und „Leiterschaft“ ausführt. Ich war überrascht über die vielen deutlichen Parallelen zum Thema Homosexualität bezüglich des Umgangs des Paulus mit den Themen und bezüglich des Umgangs der jeweiligen Betroffenen und Nichtbetroffenen mit den Themen:

  • Paulus sagt „Nein“ zu einer leitenden Funktion von Frauen in den Gemeinden (dieses Nein wird heute von den meisten Theologen zu Recht relativiert, auf unterschiedliche Weise)
  • Paulus argumentiert „logisch“ und beruft sich auf den Schöpfungsbericht
  • Ein Spannungsfeld wird erzeugt durch die Tatsache, dass es aber Frauen gibt, die von Gott die Gabe der Leitung und auch eine Lehrgabe haben
  • Es ist nach wie vor „normal“, dass mehrheitlich Männer Leitungsfunktion ausüben, aber ebenso normal, dass dies heute auch Frauen tun (vielleicht noch zu wenig…)
  • Es gibt Frauen in Leiterschaft, die diese in Demut vor Gott ausüben und es gibt Frauen in Leiterschaft, die diese falsch motiviert ausüben (Männer übrigens auch!) (Auch hier ist Differenzierung notwendig, da sonst die Gefahr falscher Rückschlüsse besteht!)
  • Es sind immer Nicht-Betroffene, die an einer Auslegung gegen Frauen in Leiterschaft festhalten (vornehmlich Männer – und Frauen, die selbst keine Leitungsgabe haben!)
  • Betroffene Frauen ringen meist sehr mit diesen Schriftstellen angesichts der Realität der Leitungsgabe in ihrem Leben
  • Der Durchbruch zu einer differenzierten Auslegung zieht sich über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte hin (vergleichbar mit dem ersten kirchlichen Skandal, Heiden wie „unreine Tiere“ nun doch in die Gemeinde aufzunehmen (Apg 10)
  • Das Gegenüberstellen von anderen „schwachen“ Bibelstellen (Hinweis auf Priscilla in Apg) ist für viele genauso wenig überzeugend wie ein Hinweis auf David und Jonathan (Das jeweilige Hauptthema wird dort keinesfalls eindeutig geklärt!)

Sowohl beim Thema „Rolle und Stellung der Frau“ als auch beim Thema „Homosexualität“ spielen für Paulus drei Grundsatzfragen eine entscheidende Rolle:

  1. Was ist ursprünglich? (Bezug zum Schöpfungsbericht)
  2. Was ist natürlich? (Bezug zur gegenwärtig wahrgenommenen Schöpfung / Natur)
  3. Was gefährdet die Ordnung Gottes? (Bezug zu fehlender Unterordnung / Rebellion Götzendienst)

Ich bin der festen Überzeugung, dass Paulus heute andere Worte wählen würde, um in unsere Kultur und Zeit zu sprechen (Apg 17,22ff – seine Rede zu den Athenern zeigt, dass er das konnte!). Vielleicht würde er, seinem Charakter entsprechend, sogar für eine neue Sichtweise kämpfen, genauso wie er sich damals heftig mit Petrus anlegte (Gal 2,11ff).
Vielleicht würde Paulus weiterhin mit der Schöpfung argumentieren und die führende Rolle der Weibchen in vielen Tierarten oder die gelebte integrierte Homosexualität bei Tieren anführen.

Es geht letztlich nicht um die Themen „Rolle der Frau“ oder „Homosexualität“, sondern um den grundsätzlichen Umgang mit der Bibel bei der Schriftauslegung und um eine Kirche, die reformatorisch bleibt oder nicht!
Nicht jede veränderte Auffassung und Schriftauslegung ist automatisch Anpassung an den Zeitgeist des Bösen. Auch der Geist Gottes schafft Neues – zu jeder Zeit!

Es ist eine doppelte Ironie, dass ausgerechnet die Schriften des Paulus - bis in alle Details - für viele evangelikale Kirchen eine Art „Gesetzesnachschlagewerk für alle Zeiten“ darstellt, eine doppelte Ironie, da erstens Paulus derjenige war, der sein Leben lang gekämpft hat für einen differenzierten Umgang mit dem (mosaischen) Gesetz – und zweitens, weil gerade dieser Paulus die Welt und die Kirche wie kein anderer Apostel verändert hat, ohne dass Jesus dies auch nur mit einem Wort an seine Jünger oder einer Verheißung erwähnt! Man muss sich einmal vorstellen, wie revolutionär das „Phänomen Paulus“ für die Kirche damals war, nachdem Jesus doch mit seiner Lehre, mit seiner Gabe des Heiligen Geistes an die namentlich berufenen Apostel und mit der Führungsrolle des Petrus eigentlich alles geregelt hatte! Wir können daraus doch nur erkennen, dass Gott immer wieder mit neuen Dimensionen überrascht, um uns aus jedem menschlichen Schema, das sich einschleicht, aufzurütteln.

Zusammenfassung

Die Bibel zeigt nicht nur auf, was sexuelle Sünde ist, sondern sie legt auch Zeugnis ab von Gottes heilsgeschichtlichem Handeln in dieser unserer unvollkommenen Welt. Dabei spielen historische und religiöse Umstände eine Rolle.
Gerade im Bereich Sexualität und Geschlechterrollen gibt die Bibel ein sehr buntes, sich veränderndes Bild wieder:
Gott setzt einerseits klare Zeichen, z.B. harte Strafen für geringes Abweichen vom Gesetz, er lässt andererseits toleranterweise Unvollkommenes zu und begibt sich sogar auf die Ebene unserer Unvollkommenheit (Regeln für Polygamie und Scheidung). Neue Standards werden durch alte ersetzt (Neues Testament / Reinigungsgebote).
Auch im Neuen Testament gibt es deutliche Hinweise für Differenzierung und Entwicklung (Rolle der Frau, Bewertung der Ehelosigkeit, Scheidungsgründe). Auch heute sind Christen noch nicht am Ziel angekommen und sind Teil der Schöpfung, so wie sie jetzt ist – und Teil ihrer Kultur.
Zeitlose kulturunabhängige Grundprinzipien des Alten Testamentes bleiben im Neuen Testament und darüber hinaus erhalten, selbstverständlich auch im Bereich Sexualität: Leben in einer Gottesbeziehung (kein Götzendienst), kein Missbrauch oder Schädigung anderer Mitmenschen, besonderer Schutz für Kinder, Verantwortungsbewusstsein, Opferbereitschaft und Verzicht statt Egoismus.

Gerade aufgrund der klaren mit Inhalt gefüllten Aussagen zum Thema Homosexualität bis hin zur Benennung der Ursache für sündhafte Homosexualität kann diese auch ebenso klar von anders motivierter Homosexualität und Homosexualität in anderem Kontext unterschieden werden.

Wer die Bibel in ihrer Gesamtaussage ernst nimmt, findet auch beim Thema Homosexualität hilfreiche Antworten. Die wichtigsten „Auslegungsmethoden“ sind meiner Meinung nach Demut, Wahrhaftigkeit und Ehrfurcht vor Gott: Sie verhindern falsches Verurteilen auf der einen Seite und sündhaftes Durchmogeln auf der anderen Seite!

Könnte es nicht sein, dass Gott bewusst so manche Grauzone und das Komplexe, manchmal Widersprüchliche bestehen lässt, um die tieferen Beweggründe unserer Herzen zu prüfen? Könnte es nicht sein, dass Gott mit Absicht zu manchem schweigt, um den einzelnen Menschen herauszufordern, selbst nach Antworten und Wegen zu suchen und nach bestem Wissen und Gewissen Entscheidungen zu treffen?


Geschrieben von Rolf Unterlöhner
2008

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