BIBEL UND HOMOSEXUALITÄT

Homosexualität als ein Gräuel – Gedanken zu 3. Mose 18,22 und 3. Mose 20,13

Inmitten des jüdischen Gesetzes stehen zwei Verse, in denen es um homosexuellen Geschlechtsverkehr geht:

3. Mose 18,22
Und bei einem Mann sollst du nicht liegen, wie man bei einer Frau liegt: ein Gräuel ist es.

3. Mose 20,13
Und wenn ein Mann bei einem Mann liegt, wie man bei einer Frau liegt, dann haben beide einen Gräuel verübt Sie müssen getötet werden, ihr Blut ist auf ihnen.

Daraus folgt: Homosexueller Sex ist Gott ein Gräuel. Und darum müssen die Beteiligten getötet werden.

Das ist eine Aussage, die man auch in modernen Gemeinden immer wieder hört. Der zweite Satz wird allerdings meistens weggelassen, denn diese Forderung wäre in der modernen westlichen Welt unmöglich. Aber es hat zur Folge, dass Homosexuelle zumindest aus den Gemeinden ausgegrenzt werden. Einen Menschen, der Gott ein Gräuel ist, darf und will man nicht in der Gemeinde haben. Was aber ist eigentlich mit "Gräuel" gemeint? Und welche Bedeutung hat das jüdische Gesetz für uns Christen?

Zuerst zum Hintergrund des Gesetzes. In Kanaan war die kultische Anbetung der Göttin Astarte weit verbreitet. In diesem Rahmen wurde Sex vergöttert. Es gab Tempelorgien, in denen es auch zu homosexuellem Geschlechtsverkehr kam. über den nicht-religiösen homosexuellen Geschlechtsverkehr wird in den Schriften der Antike nichts gesagt. (Harrison, 1980; Noth, 1965). Die Völker Kanaans waren gottlos. Sie erkannten Gott nicht, wollten nichts mit Gott zu tun haben. Im Gegenteil: sie beteten Götzen wie Moloch und Baal an. Sie ähnelten den Ägyptern, die auch eine ganze Reihe von Götzen hatten und den allein wahren Gott verworfen hatten. Israel kam nun aus einer gottlosen Gesellschaft, hatte sich über die Jahrhunderte in Ägypten sehr den Gebräuchen angepasst und würde jetzt in ein Land ziehen, in dem eine ähnlich gottlose Gesellschaft lebte.

Als Gott das Volk Israel aus Ägypten in das gelobte Land führte, gab er ihnen das Gesetz. Teil des Gesetzes sind diese beiden Verse. Das Volk Israel war "sein Volk", ein Volk, auserwählt aus allen Völkern. Israel musste anders als die anderen Völker sein, um zu zeigen, dass es Sein Volk war. Es sollte abgesondert – also heilig – von den anderen Völkern sein. So sagt Gott am Anfang des 18. Kapitels:

3. Mose 18,1-5
Und der HERR redete zu Mose: Rede zu den Söhnen Israel und sage zu ihnen: Ich bin der HERR, euer Gott. Nach der Weise des Landes Ägypten, in dem ihr gewohnt habt, sollt ihr nicht tun; und nach der Weise des Landes Kanaan, wohin ich euch bringe, sollt ihr nicht tun; und in ihren Ordnungen sollt ihr nicht leben. Meine Rechtsbestimmungen sollt ihr tun, und meine Ordnungen sollt ihr halten, um in ihnen zu leben. Ich bin der HERR, euer Gott. Und meine Ordnungen und meine Rechtsbestimmungen sollt ihr halten. Durch sie wird der Mensch, der sie tut, Leben haben.

Die Gesetze, die Gott den Juden auf ihrem Weg ins gelobte Land gab, waren für die Juden und nur für die Juden bestimmt. Sie wurden gegeben, um die Juden von anderen Völkern zu unterscheiden.
Man kann das Gesetz, das Gott den Juden gab, verschieden klassifizieren:

  • Erstens gab es moralische Gesetze. Die zehn Gebote sind das bekannteste Beispiel.
  • Zweitens gab es zivile Gesetze, die das Zusammenleben der Juden untereinander regeln sollten. Ein solches Gesetz ist z.B. die Regelung der Haftung für einen Schaden, den das Rind eines Mannes auf dem Gebiet eines anderen anrichtete.
  • Drittens gab es Gesundheitsgesetze. Darunter fallen z.B. die Gesetze über den Aussatz.
  • Viertens schließlich gab es das Zeremonialgesetz. Darunter fallen die Gesetze über Bundeslade und Stiftshütte und, am wichtigsten, die Opfergesetze. Ziel des Zeremonialgesetzes war auf den Messias, der die Welt erlösen würde, hinzuweisen. Die Zeremonialgesetze zeigten, welches Opfer für Sünde bezahlt werden musste, zeigten auf das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt wegnehmen würde. Das Zeremonialgesetz würde mit Jesu Tod seine Bedeutung verlieren. Jesus ist die Erfüllung des Gesetzes.

Die Frage ist nun, wie man diese beiden Verse klassifizieren kann. Fallen sie unter das Moralgesetz? Unter das Zivilgesetz? Unter das Gesundheitsgesetz? Unter das Zeremonialgesetz? Eine Antwort wird gegeben, wenn man sich der Bedeutung des Wortes "Gräuel" bewusst ist.

Was ist ein Gräuel? Im Hebräischen heißt das Wort "Toevah" und bedeutet: etwas, das von Gott verabscheut wird, weil es unrein ist. Es handelt sich um eine rituelle Unreinheit, nicht um moralische Sünde (heb. "Zimah"). In der Septuaginta wurde der Begriff "Toevah" mit dem griechischen "bdelygma" (rituelle Unreinheit) übersetzt anstatt mit "anomia" (Übertretung des Gesetzes, Falsch, Sünde). Eine menstruierende Frau wurde z.B. auch als "Gräuel" bezeichnet. Sie war unrein und durfte den Tempel nicht betreten, aber sie war deswegen nicht moralisch verwerflich. Das Wort Toevah wird oft als Synonym für Abgötterei benutzt. Für das jüdische Gesetz hatte Homosexualität im Kontext von 3 Mose mit ritueller Reinheit zu tun, nicht mit sexueller Ethik. Es geht hier nicht um Gesetze für Ehe und Geschlechtsverkehr, sondern um rituelle Reinheit. Diese Gesetze sind Teil des Zeremonialgesetzes, nicht des Moralgesetzes. Der Kontext des Buches bestätigt diese Interpretation. Das 3. Buch Mose wird auch "Levitikus" genannt. Es war in erster Linie eine Richtlinie für die Priester und Leviten.

Hier, wo Geschlechtsverkehr zwischen Männern verboten wird, ist lesbischer Sex nicht erwähnt. Der Grund dafür könnte sein, dass beim Geschlechtsverkehr zwischen Frauen kein Same vergossen wird. Das Vergießen von Samen machte einen Mann unrein, denn vergießen von Samen heißt vergießen von Leben. Darum wurde ein Mann, der Samen vergoss als unrein erklärt und musste sich reinigen, bevor er im Tempel zugelassen wurde:

3. Mose 15,6-18
Und wenn einem Mann der Samenerguss ergeht, dann soll er sein ganzes Fleisch in Wasser baden, und er wird bis zum Abend unrein sein. Und jedes Kleid und jedes Fell, worauf der Samenerguss kommt, soll in Wasser gewaschen werden, und es wird bis zum Abend unrein sein. Und eine Frau, bei der ein Mann liegt mit Samenerguss, – sie sollen sich im Wasser baden und werden bis zum Abend unrein sein.

Es ist also recht deutlich: Der Begriff Gräuel hat mit ritueller Unreinheit, Abgötterei und Kultprostitution (so wie sie in den anderen Völkern gang und gäbe war) zu tun. Es ist fraglich, ob an eine liebende lesbische oder schwule Beziehung gedacht wurde, als diese mosaischen Gesetze formuliert wurden. Wir haben nun eine gräuliche Tat, die im Gesetz verboten wird, bereits kennengelernt: homosexuellen Geschlechtsverkehr. Aber es gibt noch viele andere Gesetze in dem Zusammenhang. Einige forderten das Töten der Gesetzesübertreter. Hier werden ein paar genannt:

  • Man darf nicht die äußeren Geschlechtsmerkmale eines nahen Verwandten aufdecken. (Lev 18,6ff und Lev 20,11ff)
  • Ein Ehepaar darf nicht während ihrer Menstruation Geschlechtsverkehr haben. (Lev 18,19)
  • Man darf seine Kinder nicht dem Moloch (einem Gott, dem die Völker Kanaans anbeteten) opfern. (Lev 18,21 und Lev 20,1)
  • Man darf nicht mit Tieren Geschlechtsverkehr haben. (Lev 18,23 und Lev 20,15+16)
  • Man soll Vater und Mutter fürchten und nicht verfluchen. (Lev 20,9)
  • Man soll den Sabbat halten. (Lev 19,30)
  • Man darf keine Götzenbilder anbeten. (Lev 19,4)
  • Man darf nicht länger als zwei Tage vom Heilsopfer essen. (Lev 19,6)
  • Man darf auf den Feldern keine Nachlese halten. (Lev 19,9)
  • Man darf nicht stehlen, lügen oder betrügen. (Lev 19,11)
  • Man darf nicht falsch schwören. (Lev 19,12)
  • Man soll gerecht auftreten und gerecht richten. (Lev 19,15 und Lev 19,35)
  • Vieh von zweierlei Art soll sich nicht begatten. (Lev 19,19)
  • Man darf nicht auf einem Acker gleichzeitig zweierlei Samen säen. (Lev 19,19)
  • Man darf keine Kleidung, die aus einem Stoff mit zweierlei Fäden (z.B. Baumwolle und Polyester) gewebt ist, tragen. (Lev 19,19)
  • Man darf kein Blut essen. (Lev 19,26)
  • Wahrsagerei und Zauberei ist verboten. (Lev 19,26 und Lev 19,31 sowie Lev 20,6)
  • Man darf nicht den Rand des Haupthaares rund scheren. (Lev 19,27)
  • Man darf den Rand des Bartes nicht stutzen. (Lev 19,27)
  • Man darf sich nicht tätowieren lassen. (Lev 19,28)
  • Hurerei ist verboten. (Lev 19,29)
  • Fremde darf man nicht unterdrücken. (Lev 19,33+34)
  • Ehebruch ist verboten. (Lev 20,10)

Einige dieser Gesetze machen heute noch Sinn und sind auch Teil unseres Gesetzes und unserer Moralvorstellungen. Darunter fallen z.B. die Gesetze vom stehlen, lügen und betrügen. Mit anderen Gesetzen können wir heute nicht viel anfangen, z.B. dass man seine Kinder nicht dem Moloch opfern soll, aber wir würden sie trotzdem unterschreiben (auch wenn wir gleichzeitig z.B. Abtreibungen erlauben...). Andere wiederum machen in unserer modernen westlichen Gesellschaft überhaupt keinen Sinn mehr. Bei uns stutzen sich Männer die Bärte (wenn sie sich nicht rasieren) und sie schneiden sich die Haare. Wir tragen Stoffe, die ein Mix aus verschiedenen Garnen sind. Wir essen Blutwurst. Und dann gibt es noch Gesetze, mit denen wir gar nichts mehr anfangen können, z.B. das Gesetz vom Heilsopfer.

Es ist deutlich, dass das jüdische Gesetz in unserer Gesellschaft nicht mehr der Maßstab ist. Wenn man es zu einem Maßstab machen möchte, hat man Probleme: Es ist schwierig zu sagen, welches Gesetz denn noch gilt und welches nicht. Ein paar würden wir vielleicht abmildern (man muss ja nicht gleich die Homosexuellen töten...). Andere wiederum wollen wir gar nicht erst in die moderne Welt hineinbringen.

Für diese Schwierigkeit mit dem Gesetz gibt es einen guten Grund: das jüdische Gesetz ist für uns als Christen überhaupt nicht mehr der Maßstab. Es gilt nicht mehr. Kein einziges dieser Gesetze wurde für uns gemacht. Und deshalb ist auch das Gesetz vom homosexuellen Geschlechtsverkehr nicht für uns gültig.

Im Galaterbrief schreibt der Apostel Paulus ausführlich darüber. Paulus schrieb seinen Brief an die Gemeinden in Galatien, weil folgendes passiert war: Jüdische Christen waren in die Gemeinde gekommen und predigten dort ein "anderes Evangelium" als Paulus es gepredigt hatte. Dieses "Evangelium" besagte, dass die Christen in Galatien auch die jüdischen Gesetze halten müssten, um von Gott akzeptiert zu werden. Paulus ist entsetzt und verzweifelt und seine Reaktion ist entsprechend heftig. Er schreibt ihnen über das einzig wahre Evangelium, dass da lautet: Man wird nur durch den Glauben an Jesus Christus gerechtfertigt. Er erzählt von dem Apostelkonzil in Jerusalem, wo er dieses Evangelium erfolgreich verteidigt hat, und von einem Konflikt mit Petrus. Dieser hatte auch nicht dem Gesetz entsprechend gelebt, war aber aus Angst vor den jüdischen Christen wieder umgeschwenkt, woraufhin Paulus ihn als Heuchler entlarvte. Kernaussagen aus dem Brief an die Galater sind:

  • Man wird nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt, sondern nur durch den Glauben an Jesus Christus. (Gal 2,16)
  • Wenn Gerechtigkeit durch das Gesetz kommen würde, hätte Jesus nicht zu sterben brauchen. Er wäre umsonst gestorben. (Gal 2,21)
  • Wer durch Gesetzeswerke gerechtfertigt werden möchte, ist verflucht. Jesus hat uns von dem Fluch des Gesetzes freigekauft durch seinen Tod am Kreuz. (Gal 3,10-13)
  • Das Gesetz kann nicht lebendig machen. Nur Glauben an Jesus Christus bringt Leben. (Gal 3,21+22)
  • Wenn man durch das Gesetz gerechtfertigt werden möchte, wird man von Jesus abgetrennt. Man fällt aus der Gnade Gottes. (Gal 5,4)

An Jesus Christus und seinen stellvertretenden Tod am Kreuz zu glauben, bedeutet, sich selbst als gekreuzigt zu sehen. Dann ist man eine neue Schöpfung und das Gesetz des Alten Testaments hat keine Bedeutung mehr. Wenn man dennoch durch das Gesetz gerechtfertigt werden möchte, ist Christus umsonst gestorben und man ist aus der Gnade Gottes gefallen. Dann muss man ALLE Gesetze halten. Dann gilt das Gesetz vom homosexuellen Geschlechtsverkehr genauso wie das Gesetz vom Essen von Schweinefleisch, von den Opfern und von den Socken, die nicht aus Baumwolle und Elasthan sein dürfen.

Aber davon hat Christus uns befreit. Wir brauchen nicht mehr nach dem Gesetz zu leben, um gerechtfertigt zu werden. Wenn wir glauben, dass Jesus Christus an unserer Stelle am Kreuz gestorben ist, sind wir vor Gott gerecht.

Meint Paulus hier das Zeremonialgesetz? Denn dieses ist ja, wie bereits erwähnt, von Jesus erfüllt worden und deshalb nicht mehr gültig. Im Galaterbrief geht Paulus aber noch einen Schritt weiter. Er spricht immer nur von dem Gesetz, das nicht rechtfertigen kann. Dieses Gesetz schließt zusätzlich zum Zeremonialgesetz auch das Zivil-, Gesundheits- und Moralgesetz ein.

Die Tatsache, dass das Halten des Moralgesetzes nicht gilt um uns gerecht zu machen, ist erschreckend. Stellt das Moralgesetz nicht den Willen Gottes dar? Ja das stimmt, aber es tut es in einer unvollkommenen Weise. Zum Beispiel das Gesetz "Du sollst nicht stehlen." War es Sünde, als hungrige, frierende Menschen nach dem Krieg Lebensmittel und Kohlen "organisierten" um überleben zu können? Oder: "Du sollst nicht töten." Was halten wir von Dietrich Bonhoeffer, der zu den Männern, die im Sommer 1944 Hitler umbringen und so den Tod Millionen von Menschen verhindern wollten, gehörte? Ziehen wir seinen Glauben in Zweifel?

Das moralische Gesetz drückt den Willen Gottes nur unvollkommen und bruchteilhaft aus. Es geht in der Beziehung mit Gott nicht darum, Gesetzen zu folgen, sondern von Gesetzen frei zu sein und den Willen Gottes zu tun. Der Wille Gottes drückt sich vollkommen im "neuen" Gesetz aus, das Jesus uns, seinen Jüngerinnen und Jüngern gab. Das christliche Leben wird durch einen Satz zusammengefasst: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Es gibt nur noch ein "Gesetz", dass Gesetz der Liebe. Jesus selbst sprach von diesem Gesetz, als er sagte:

Johannes 13,34+35
Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

Johannes 15,12
Dies ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe. In einem späteren Brief bekräftigt Paulus seine Aussage, wenn er sagt:

Römer 13,8-10
Seid niemand irgendetwas schuldig, als nur einander zu lieben! Denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt. Denn das: "Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren", und wenn es ein anderes Gebot gibt, ist in diesem Wort zusammengefasst: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.

Auch der Galaterbrief beantwortet die Frage "Wie sollen wir denn ohne Gesetz leben?" mit einem Hinweis auf das Gesetz der Liebe.

Galater 5,6
Denn in Christus Jesus hat weder Beschneidung noch Unbeschnittensein irgendeine Kraft, sondern der durch die Liebe wirksame Glaube.

Galater 5,13+14
Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder. Nun gebraucht nicht die Freiheit als Anlaß für das Fleisch, sondern dient einander durch die Liebe! Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."

Wenn wir glauben, dass wir mit Christus am Kreuz gestorben sind, bedeutet es, dass wir eine neue Schöpfung sind. Jesus lebt in uns in der Form des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist sagt uns, wie wir leben sollen und wenn wir dann so leben, werden wir nicht sündigen. Der Heilige Geist teilt uns nicht nur den Willen Gottes mit, sondern er gibt uns auch die Kraft diesen Willen zu tun. Das Gesetz zeigte nur unvollkommen den Willen Gottes und gab den Juden des Alten Testaments nicht die Kraft, ihn zu tun. Paulus sagt im Brief an die Galater:

Galater 5,16
Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen.

Es ist leider so, dass es auch in den modernen Gemeinden Gesetzlichkeit gibt. Einige versuchen die Gesetze und Regeln der Bibel streng zu befolgen (die Frau muss ihren Kopf bedecken), andere sind informeller (man kleidet sich zum Gottesdienst auf bestimmte Art und Weise, singt auf bestimmte Art und Weise, hält täglich zur bestimmten Zeit und auf bestimmte Art und Weise seine "Stille Zeit"). Oft geht diese Gesetzlichkeit mit einer Art Snobismus zusammen. Man dünkt sich als bessere Christen, näher an Gott und mehr im Willen Gottes als die Christen anderer Gemeinden. Es liegt in der menschlichen Natur Gesetze folgen zu wollen. Dabei erwartet Gott von uns nur ihn und unseren Nächsten zu lieben.

Wie bereits erwähnt: Das Gesetz der Liebe ist manchmal mit dem jüdischen Gesetz und den modernen Traditionen und Regeln der Gemeinden im Konflikt. Wir lesen davon im Galaterbrief, als nicht-jüdische Christen von den jüdischen Christen ausgegrenzt und als Menschen zweiter Klasse behandelt wurden, mit denen man nicht an einem Tisch essen wollte. Leider findet auch in unseren modernen Gemeinden immer wieder eine Ausgrenzung derer statt, die nicht dem Gesetz (ob dem jüdischem oder dem der Gemeinden) entsprechend leben. Ein Beispiel ist die Ausgrenzung homosexueller Christen. Sie, die an Jesus und Sein Werk am Kreuz glauben, werden oft im Namen Gottes zutiefst verletzt und verworfen. Oft leben sie viele Jahre in einem Konflikt, versuchen vergeblich "geheilt" zu werden und nicht wenige fallen irgendwann vom Glauben ab - weil von ihnen etwas verlangt wird, dass Gott gar nicht will. Ihnen wird, im Namen Gottes, durch gesetzliche Forderungen, das Leben zur Hölle gemacht.

Fazit ist: Gott verwirft nicht die homosexuellen Christen. Jesus ist für Lesben und Schwule genauso am Kreuz gestorben wie für alle anderen Menschen auch. Und genauso wie es den heterosexuellen Christen nicht aufgetragen wird, das jüdische Gesetz zu erfüllen, kann es auch den homosexuellen Christen nicht auferlegt werden. Das jüdische Gesetz ist kein Maßstab für unser Leben. Das einzige "Gesetz", dass für uns gilt, ist das Gesetz der Liebe. Dieses Gesetz können wir nur erfüllen, wenn wir im Geist wandeln.

Bibliographie:
Harrison, R K
Leviticus L an introduction and commentary. Leicester: InterVarsity Press, 1980
Noth, Martin
Leviticus : a commentary. London: SCM Press, 1965


Geschrieben von Anette Seiler
2004

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