KIRCHEN

Vielfalt als Gemeindelebensprinzip

„Bei Gott sind alle willkommen. Alle!“ So lautet der Claim unserer Gemeinde.


Ein Claim bezeichnet einen Slogan, ein Versprechen, ein Leitmotiv oder eine Mission. Die eigentliche Bedeutung des Wortes ist aber „Anspruch“. Wir als Baptisten in Schöneberg versuchen, diesem Anspruch in verschiedenen Bereichen gerecht zu werden. Wir sind auf einem Weg, der uns herausfordert und reich macht. Reich an sehr unterschiedlichen Menschen.

Vor ungefähr sieben Jahren haben wir einen Prozess ins Leben gerufen, in dem wir klären wollten, was unser Auftrag und unsere Aufgabe als christliche Gemeinde hier und heute sein soll und sein kann. Wir fragten uns, wer wir sind und was uns zu der Gemeinde macht, die wir sein wollen. Nach vielen Gesprächen, Interviews und einer großen Umfrage wurde deutlich, dass wir eine Gemeinschaft sind, die im Laufe ihrer Geschichte auch immer für Menschen eine Heimat geworden ist, die aus anderen Gemeinden ausgeschlossen wurden. Am Ende des Prozesses entstand eine Bildmarke und der oben zitierte Satz „Bei Gott sind alle willkommen. Alle.“

Die Bildmarke zeigt einen nur als Umriss dargestellten Menschen mit weit ausgebreiteten Armen. Mal ist es ein Kind, mal ein Erwachsener, mal eine Frau, mal ein Mann. Diese Menschen sind nicht irgendwelche Menschen, sondern Menschen aus unserer Gemeinde, die sich als Models zur Verfügung gestellt haben. „Herzlich willkommen“ drückt das Logo aus. Wir stellen durch unsere Vielfalt Christus in dieser Welt dar und heißen selbst willkommen. Gleichzeitig erkennt man in der Haltung der Figuren das Kreuzeszeichen. Es symbolisiert: „In den Menschen, denen du in unserer Gemeinde begegnest, soll dir Christus begegnen“.

In unserer Gemeinschaft finden Menschen aus vielen unterschiedlichen Kulturen zusammen. Nicht immer sprechen wir dieselbe Sprache, aber wir verstehen uns trotzdem. Menschen aus dem Iran, dem Irak, aus Afghanistan, dem Kongo, aus Angola, Korea und Deutschland leben zusammen. Und auch Menschen verschiedener sexueller Orientierungen prägen unsere Gemeinde. Sie kommen alle zusammen und finden sich bei der einen Mitte – bei Christus. Wir bilden im Kleinen, was wir uns für unsere Gesellschaft wünschen: Friedliches, verständnisvolles Zusammenleben in Vielfalt. Das erleben wir als großes Wunder und Gnade.

Vielfalt kann auch manchmal anstrengend sein. Bei so unterschiedlichen Persönlichkeiten kommt es natürlich auch zu Auseinandersetzungen. Es gelingt uns aber immer wieder, beieinander zu bleiben und die gemeinsame Mitte in Christus neu zu finden. Als wir beispielsweise anfingen, über das Thema „Homosexualität und Gemeinde“ nachzudenken und in Foren zu sprechen, kam es zu Konflikten durch die verschiedenen Positionen. Schmerzlich war für uns, dass Einzelne die Gemeinde verlassen haben. Die Gespräche gehen weiter, aber im Kern leben wir ein versöhntes Miteinander, in dem wir bei aller Verschiedenheit einander stehen lassen können. Wir gestehen uns gegenseitig zu, dass wir alle in Freiheit vor Gott leben und dass wir alle unsere Positionen auf einer biblischen Grundlage gründen. So verschieden diese auch sein mögen.

Wir sind überzeugt, dass Gemeinden durch die Unterschiedlichkeit der Menschen von Gott reich beschenkt werden. Dieser Claim gilt! Für uns als Gemeinschaft und als Einzelne.

Wenn bei Gott alle willkommen sind, dann sind sie es bei uns auch.

Inhaltsübersicht zwischendrin 2016


Geschrieben von Dagmar Wegener
2016

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