BIBEL UND HOMOSEXUALITÄT

Was die Bibel sagt,...

und was sie nicht sagt

Die Autorin Valeria Hinck hat mit dem Buch „Streitfall Liebe – Biblische Plädoyers wider die Ausgrenzung homosexueller Menschen“ Impulse zu einem neuen Verständnis vermeintlich „eindeutiger“ Bibelstellen und zum Umgang mit homosexuellen Menschen geliefert. In ihrem Fortsetzungs-Text „EHE-WIR-IRREN“ befasst sie sich mit der Rolle von Mann und Frau, Ehe und Familie und der Schöpfungsordnung.

Liest man im christlichen Rahmen eine Abhandlung zum Thema Homosexualität, lautet gewöhnlich einer der klassischen Sätze zu Anfang: „Der biblische Befund zu diesem Thema ist eindeutig“ – und gemeint ist damit „ablehnend“. Beschäftigt man sich jedoch eingehend und unvoreingenommen mit diesem „biblischen Befund“, d.h. mit allem, was die Schrift sagt und eben auch nicht sagt, stellt man erstaunt fest: Die biblischen Aussagen hierzu sind eher lückenhaft und lassen durchaus Interpretationsspielraum zu. Vieles dagegen, was man als biblisch festgelegt verinnerlicht hatte, entpuppt sich eher als traditionell verankerte Sichtweise, mit der Christen an bestimmte Sachverhalte herangehen, aber mit der viele Schriftausleger eben bereits auch die biblischen Zeugnisse selbst wahrnehmen.

Lange Zeit war das Thema „Homosexualität und Christentum“ bestimmt von den bekannten, hierzu relevant erachteten Passagen aus Leviticus, Römer, Korinther und Timotheus. Später verlagerte sich der Schwerpunkt auf die Frage der Schöpfungsordnung. Zuletzt kam ein weiteres Motiv hinzu, das mit dem letzteren eng verbunden ist: die Rolle von Mann und Frau, bzw. Ehe und Familie – und die Gefahr, die all dem durch eine Akzeptanz homosexueller Partnerschaften drohe. Obwohl eng mit dem „Thema“ Schöpfungsordnung verwandt, hat das Thema Ehe und Familie nach meiner Wahrnehmung inzwischen an Eigenständigkeit gewonnen, ja sich geradezu verselbständigt. Ehe und Familie sind nicht mehr allein schützenswerte Institutionen, sondern sie haben die Priorität eines christlichen Gutes an sich angenommen. Im christlichen Leben aber sind es letztlich sekundäre Institutionen, die man eben in der Schöpfung begründet versteht. Ehe und Familie haben in den Augen vieler Christen längst die Bedeutung eines christlichen Wertes per se erlangt, so wie Liebe und Barmherzigkeit, bzw. die Bedeutung einer christlichen Berufung, so wie Diakonie oder Mission. Umso wichtiger ist es, auch hier noch einmal genau in die Heilige Schrift hineinzuhorchen – ohne vorgefasste Meinungen und mit dem Mut, Dinge allein aus dem biblischen Befund heraus zu beurteilen und nicht aus dem Blickwinkel gewohnter und vielleicht lieb gewonnener Traditionen. Tatsächlich wird man dann womöglich herausfinden, dass viele Vorstellungen von der „biblischen“ Familie weit mehr durch das 19. Jahrhundert beeinflusst sind als durch die eigentlichen Texte der Schrift. Hier nun soll der Schwerpunkt darauf liegen, wie der biblische Befund zu Ehe und Familie hinsichtlich der Akzeptanz oder Ablehnung homosexueller Partnerschaften gewertet werden muss.

Dazu möchte ich mich auf einen Streifzug durch die so inspirierenden Texte der Bibel begeben, beginnend selbstverständlich mit der Genesis (ohnehin eines meiner Lieblingsbücher), im Folgenden aber ausgedehnt auf diverse Texte des Alten und Neuen Testaments zu verschiedenen Aspekten dieses Themas, wobei die Kapitel auch jeweils einzeln gelesen werden können:

„EHE-WIR-IRREN“ Inhalt:

1. Wie es (tatsächlich) war im Anfang:
Genesis 1 und 2

a) Genesis 1,1-2,4

  • Mann und Frau – die „Ikone Gottes“?
  • Schöpfung zwischen Spiel und Ordnung
  • Zwischengedanken aus medizinischer Sicht: Wie normativ sollte Normalität sein?

b) Genesis 2,18-25: … ihm zum Gegenüber – ist geschlechtliche „Komplementarität“ Voraussetzung für gelingende Partnerschaft?

c) Matthäus 19,3-12: Jesus und die Ehe(scheidung)

  • Was Gott nicht zusammen aufführt, soll der Mensch getrennt beurteilen
  • Göttliche Kompromisslösungen im Wandel der Zeit

2. … ich deute es aber auf Christus (Epheser 5,32) – Liebestypologien der Bibel zwischen Zeit und Ewigkeit

a) Die Ehe: das Bild oder ein Bild?

b) Die Kette der Autorität – Dienende Liebe und liebende Ehrerbietung (Eph 5,21-6,9)

c) …das Geheimnis ist groß – denn groß ist nur der, auf den es gedeutet wird (Eph 5,31f)

d) Die Söhne dieser Welt heiraten und werden verheiratet (Luk 10,34) – die Ehe ist ein irdisch Ding

 

 Die Bibelauslegung ist hier auf der Webseite von Valeria Hinck verfügbar.

 

Inhaltsübersicht zwischendrin 2016


Geschrieben von Valeria Hinck
2016

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