"HEILUNG"

Zwischen "Recht auf Veränderung" und "Freiheit zur Entscheidung"

Die Heilbarkeit von Homosexualität – ein Thema, das schon bis ins Uferlose diskutiert wurde. Von den einen vehement als (bisher nicht bewiesene) Realität proklamiert, von anderen als Druckmittel gegen homosexuelle Menschen verdammt.

Sollte nicht jeder Mensch die Freiheit haben, zu entscheiden, welchen Weg er einschlagen will? Wenn er sich dafür entscheidet, dass er nicht homosexuell sein will, warum sollten ihm nicht jede mögliche Form der Unterstützung gegeben werden, um dieses "Grundrecht" auf Veränderung zu verwirklichen?

Wie stehen wir von Zwischenraum zu diesen Anfragen und Forderungen?

1. Auch wir glauben, dass jeder Mensch ein Recht auf Veränderung hat.

Dabei muss aber gewährleistet sein, dass die Motivation hierfür aus dem eigenen Herzen des betreffenden Menschen kommt und er nicht diese Veränderung aufgrund von äußerem Druck durch sein soziales oder christliches Umfeld sucht. Oft erscheint es die einzige Chance zu sein, um unter "Frommen" die Anerkennung bzw. das Recht, Christ zu sein, nicht zu verlieren. Es gibt aber nur eine Freiheit der Entscheidung OHNE Angst vor negativen Konsequenzen.

Das Recht auf Veränderung ist für uns deshalb elementar mit der Freiheit zur Entscheidung verbunden.

2. Es gibt nur eine Freiheit der Entscheidung, wenn vor-urteils-frei zwei Alternativen gleichberechtigt und gleichwertig nebeneinander stehen dürfen.

Dabei muss aber gewährleistet sein, dass OHNE Angst vor Verurteilung in aller Freiheit Zugang zu beiden gegeben ist.

Die Seelsorgedienste, die auf Veränderung abzielen, wollen aber keine Alternative bieten, denn sie sehen Homosexualität grundsätzlich als eine Fehlentwicklung oder Störung menschlicher Sexualität an. Sie lehnen eine in Verantwortung vor Gott gelebte Homosexualität ab. Wer wie diese Dienste auf ein Recht auf Veränderung pocht, der sollte gleichermaßen das Recht auf Veränderung ZUR Homosexualität akzeptieren und Menschen, die zu ihnen in Seelsorge kommen auch darin weiterhelfen, ihren Weg als homosexuelle Christinnen und Christen zu finden.

3. Wir akzeptieren die Arbeit von Seelsorgediensten, die Menschen bei deren geschlechtlicher Identitätsfindung begleiten.

Dabei muss aber gewährleistet sein, dass sie gelebte Homosexualität nicht als gelebte Sünde, sondern als eine Form gelebter Sexualität sehen, die gleichberechtigt ist mit der von ihnen geforderten sexuellen Abstinenz bei einer homosexuellen Orientierung.

Wir akzeptieren also diese Seelsorgedienste,

  • wenn sie klar und deutlich machen, dass ihr Schwerpunkt nicht darauf liegt, homosexuellen Menschen von Homosexualität zur Heterosexualität zu heilen, sondern Möglichkeiten zu vermitteln, ihre sexuelle Orientierung als Enthaltsamkeit zu gestalten.
  • wenn sie nicht primär auf eine Veränderung der Homosexualität zielen, sondern eine Versöhnung des Menschen mit seiner Sexualität verfolgen, so dass am Ende auch ein mit seiner Homosexualität versöhnter und lebender Christ stehen darf. Hierzu gehört, dass die Dienste der Inneren Heilung nicht nur auf eine Veränderung, sondern auch auf eine Versöhnung mit der sexuellen Orientierung zielen.
  • wenn sie ihre Arbeit und ihren Dienst am Menschen unter Achtung der Menschenwürde ausführen. Hierzu gehört für uns eine hohe Professionalität und Qualifikation in der Begleitung und Beratung. Wir bezweifeln, ob der Umgang mit einem so elementaren und persönlichkeitsprägenden Thema durch Ausbildungen wie das "Living Waters "-Training gewährleistet werden kann.

 

FAZIT: Auch Zwischenraum tritt für ein Recht auf Veränderung ein und zwar eine Veränderung hin zu einem Menschsein in all seiner Vielfältigkeit und seinen Formen, das die von Gott gegebene sexuelle Orientierung als lebenserfüllendes Geschenk begreift und integriert. Wir sind sehr dankbar, dass wir den Weg der Veränderung gehen und dabei erleben dürfen, wie wir durch das Annehmen unserer Sexualität und – deren Integration in unser Menschsein unserer Berufung als Menschen ein Stück näher gekommen sind und dafür sind wir unserem Schöpfer sehr dankbar!


Geschrieben von Günter Baum
2003

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