Als queere Christ*innen haben wir oft Schwierigkeiten, unseren Glauben und unsere Sexualität in Einklang zu bringen – auch diejenigen unter uns, die sich als bisexuell identifizieren. In der Bibel lesen wir, dass Gott Menschen nach seinem Bild geschaffen hat (Genesis 1,27).
Bis heute betrachten jedoch viele christliche Traditionen gleichgeschlechtliche Bezieh ungen als sündhaft, und das betrifft und beeinflusst auch das Leben und Erleben von bisexuellen Gläubigen.
Schauen wir uns die Geschichte von David und Jonathan an: Wenn wir die Geschichte zwischen den beiden queer lesen, begegnen wir in 1. Samuel 18,1-4 zwei Männern, die eine intensive und innige Beziehung haben. Auch wenn wir nicht davon ausgehen können, dass ihre Beziehung sexuell aktive Züge hatte, ist klar, dass sie eine tiefe Zuneigung verband, die wir heute als romantische Anziehung verstehen könnten. Ihre Freundschaft war so stark, dass Jonathan sein eigenes Leben riskierte, um David vor den Nachstellungen und Angriffen König Sauls zu schützen.
In 2. Samuel 1,26 trauert David um Jonathan: „Deine Liebe ist mir wundersamer gewesen, als Frauenliebe ist.“ Diese Aussage wird von manchen als Beleg für eine romantische Beziehung gelesen. Unabhängig davon ist klar, dass David seine Beziehung zu Jonathan sehr schätzte und eng mit ihm verbunden war. Gleichzeitig hatte David Beziehungen zu Frauen – denken wir an seine Ehefrauen oder an die Episode mit Batseba.
Wie zeigt sich uns David und wie versteht er sich selbst? Würde er von Bisexualität sprechen? Wir wissen es nicht. Und weil wir eben oft nicht wissen, wie andere wirklich empfinden und wie sie sich selbst sehen, kann uns diese biblische Geschichte herausfordern, unsere Annahmen über Andere, über ihr Empfinden oder ihre Beziehungen noch einmal zu überprüfen. Aus der Bibel kennen wir keine explizite Verurteilung von Bisexualität. Gleichzeitig wird immer wieder betont, wie wichtig es ist, anderen mit Liebe und Respekt zu begegnen.


