Familie und Eltern

Streifzüge einer ungewöhnlich – gewöhnlichen Familie

Unsere kleine Familie besteht aus Mama, Meme (die andere Mama) und unseren beiden Töchtern Jana (6) und Nele (3 ½). Wir wohnen in Bonn und fühlen uns dort ausgesprochen wohl. Wir haben Glück, dass Bonn eine sehr tolerante Stadt ist und wir selten negative Erfahrungen machen.

Wir wollen gerne ein paar Eindrücke aus unserem Familienleben, Begegnungen und Alltagsszenen mit euch teilen.

Adoption

Eine auf dem Papier „richtige“ Familie konnten wir nur werden, indem Meme im Rahmen der in Deutschland zulässigen Stiefkindadoption unsere Töchter adoptierte. Bis dahin lebten wir in einer juristischen Grauzone, in der Meme zunächst keinerlei Rechte hatte. Die Adoption ist ein unglaublich bürokratischer Aufwand – bis hin zum Besuch einer Mitarbeiterin des Jugendamtes, deren Feedback jedoch durchweg positiv war. Trotzdem ist es schade, welche Messlatte angelegt wird, um eine „Familie“ zu werden. Es handelte sich ja schließlich um keine normale Adoption, da wir zum Zeitpunkt der Zeugung und Geburt längst miteinander verheiratet waren und unsere Wunschkinder in unsere Beziehung hineingeboren wurden.

 Besuch bei der Kinderärztin

Unser erster Besuch bei der Kinderärztin konfrontierte uns mit einem neuen Aspekt. Mit einem Frauenpaar hat man dort kein Problem, aber man erkundigte sich, ob der biologische Vater Auskunftsrecht hat. Das fanden wir höchst aufmerksam.

 Kindergarten I

Vorurteile sind weit verbreitet und auch wir können uns nicht gänzlich davon freisprechen. Es begann die Suche nach einem Kita-Platz für Nele. Die Absage des katholischen Kindergartens vor Ort schien uns sicher. Von wegen. Wir wurden von einem tollen, engagierten, uns offen begegnendem Team herzlich aufgenommen. Wir sind das erste Frauenpaar dort. Neben Spielen, Basteln und Lernen werden ganz selbstverständlich auch christliche Inhalte vermittelt. Das ist für uns ein schöner Nebeneffekt, da uns der Glaube im Leben wichtig ist. Dafür nehmen wir auch in Kauf, das unsere Töchter sich bekreuzigen und ihr Gebet mit „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen“ beginnen.

 Kindergarten II

Meist bringt die Mama die Kinder in die Kita und holt sie auch wieder ab. Freitags allerdings ist „Meme-Tag“. Ja, und schon gingen die Fragen los. Natürlich fragten die anderen Kinder zu Beginn „Wer bist du denn?“. Kinder sind da so herrlich direkt. „Bist du die andere Mama?“ „Wo ist denn der Papa?“ „Seid ihr verheiratet?“ „Auch schon, als ihr Jana und Nele bekommen habt?“. Aber, und das macht die großen Kinderherzen aus, sie werten nicht. Es ist halt so.

 Nachbarn

Wir wohnen in einem Hochhaus, da begegnen uns natürlich viele Menschen. Schlechte Erfahrungen haben wir bisher nicht gemacht. Im Gegenteil. Auf unserer Etage verbindet uns ein herzliches Verhältnis mit unseren direkten Nachbarn und auch die Hausverwaltung, Hausmeister und andere Nachbarn sind völlig unkompliziert. Lediglich eine Nachbarin sorgt mit ihrer etwas eigenen Art immer wieder für Erheiterung.

„Nun, wenn Sie verheiratet sind, dann ist das ja in Ordnung.“, war ihr Kommentar zu unserem Zusammenleben. Es traf sich, dass die Mama, hochschwanger mit unserer zweiten Tochter, der Nachbarin im Aufzug begegnete. Es folgten ein kritischer Blick und die Frage „Weiß Ihre Frau das auch?“

 Gemeinde

Wie schon erwähnt, ist der Glaube wichtiger Bestandteil unseres Lebens und es liegt uns am Herzen, unseren Kindern diese Wurzeln für ihr Leben mitzugeben. Deshalb war es zunächst schade, dass wir keine „offizielle“ Heimat bei den Baptisten in Bonn gefunden haben – auch wenn wir in der Gemeinde dennoch viel in Bewegung gesetzt haben.

Für uns war es wichtig, unsere Kinder segnen bzw. taufen zu lassen. Also wurde Meme Mitglied einer lebendigen evangelischen Kirchengemeinde. Die Taufe, die dann stattfand, wurde zu unserem Fest der Ökumene. Katholisch, evangelisch, freikirchlich – wir sind von allem etwas und das bedeutet für uns keinen Widerspruch. Ach ja, wir sind übrigens gern gesehene Gäste bei den Baptisten und fühlen uns dort ausgesprochen wohl.

 Das Leben als Frauenpaar mit zwei Kindern ist ein ständiges Outing. Ob beim Arzt, im Kindergarten, bei der Schulanmeldung, beim Schwimmkurs. Verstecken geht nicht. Aber es erfüllt uns auch mit Stolz. Für unsere beiden Töchter ist ganz klar: Wir leben mit unseren beiden Mamas, andere mit Mama und Papa, wieder andere nur mit Mama oder nur mit Papa. Und sie gehen ganz selbstverständlich damit um. Und wenn wir es schaffen, ihnen diese Selbstverständlichkeit und Toleranz gegenüber verschiedenen Lebensweisen (z.B. sexuelle Orientierung, Religion oder Hautfarbe) mit auf den Lebensweg zu geben, dann haben wir das Gefühl, wir haben es gut gemacht.