Kirchen

Bestimmt Geld, was Gott will?

Money makes the world go round, the world go round, the church go round...

Ich war schockiert, als ich erfuhr, dass langjährige Mitglieder ihre Spenden für unsere Gemeinde auf Eis gelegt oder gekürzt hatten, nur weil wir beabsichtigten, uns intensiv und ergebnisoffen mit dem Thema Homosexualität und Christsein zu beschäftigen. Die Gemeindeleitung hatte überhaupt noch nicht entschieden, ob ein homosexuell empfindender Mensch, der in einer Partnerschaft lebt, Mitglied der freikirchlichen Gemeinde werden kann, da wurde sie schon von einigen gewarnt, dass eine Entscheidung dafür zum finanziellen Bankrott führen könnte.

„Krass“, dachte ich – und in meinem Kopf ploppten Fragen auf. Die erste war: Warum haben mich dieses Verhalten und diese Aussagen eigentlich so schockiert? Ist es nicht ganz normal, dass über Geld Einfluss genommen wird? Und die zweite: Wie weit reicht dieser Einfluss des Geldes, der Einfluss von Spenden, der Einfluss von Spenderinnen und Spendern? Bestimmen sie tatsächlich durch ihr Geld, was in freikirchlichen Gemeinden, in evangelikalen Organisationen, in frommen Werken laut gedacht oder offiziell verkündet werden darf? Mir kam wieder in den Sinn, was mir vor einiger Zeit die Mitarbeiterin einer Initiative, die sich über Spenden finanziert, gesagt hatte: „Wenn ich mich nur ein bisschen positiv zum Thema Homosexualität und Glauben äußern würde, würden wir viele Unterstützer verlieren – und ich meinen Job!“ Und dann fiel mir ein: Diesen Satz habe ich in Variationen schon sehr oft gehört – und ich kenne Organisationen, die erhebliche Spendenrückgänge verkraften mussten, nur weil bekannt wurde, dass einige ihrer Mitarbeiter sich gegen eine weitere Ausgrenzung von homosexuellen Christinnen und Christen in Gemeinden ausgesprochen hatten. Sie waren nicht damit einverstanden, dass diese als Christen zweiter Klasse – Gottesdienstbesuch „Ja“, Übernahme von Leitungsaufgaben „Nein“ – behandelt wurden.

Da kommen evangelikal geprägte Theologen und Historiker nach langer und intensiver Beschäftigung mit den sehr wenigen Aussagen zum Thema Homosexualität in der Bibel, mit der damaligen Zeit und den Lebensumständen der Menschen sowie den Forschungsergebnissen anderer Disziplinen zu einer neuen Bewertung, doch „wahr und Gottes Wille“ soll das bleiben, was Bibelleserinnen und Bibelleser ohne besondere Kenntnisse der Antike und der biblischen Sprachen zu wissen meinen und was sie aufgrund gegebener Spenden verkündet sehen möchten. Hat Geld wirklich so einen großen Einfluss? Vielleicht, denn es gibt sehr viele Christinnen und Christen, die kleine Summen spenden – und die Masse macht’s. Darüber hinaus gibt es einige reiche, evangelikal konservative Christinnen und Christen, die in großem Maße freikirchliche Organisationen und fromme Werke, die meinungsbildenden Einfluss haben, finanzieren. Diese Gedanken wühlen mich auf und ich frage mich: Muss ich jetzt prüfen, ob ich mit dem Geld, das ich für Projekte von evangelikalen Organisationen spende, die ich von ganzem Herzen unterstützen möchte, indirekt auch die Verbreitung von Glaubensüberzeugungen fördere, die ich nicht teile? Ein Gewissenskonflikt. Ich möchte es eigentlich nicht, aber vielleicht ist dieser Schritt notwendig.

Weitere Texte zum Thema Christsein und Homosexualität findet ihr auf Franks Webseite.