Jahrestreffen in Wiesbaden 2017

Das ist jetzt also dieses Jahrestreffen?! Ich hab keine Ahnung was als nächstes passiert.

Eben hab ich mir schon Sticker auf mein Namensschild geklebt. Ich hab auch keine Ahnung wie ich das hier alles finden soll. Aber ich bin da. Ich schätze, das ist ja schon mal was. 

Ich kenn das alles anders. Zuhause war alles anders. Mein Leben schaukelt so von rechts nach links. Kennt man ja. Auf und ab, hin und her und irgendwas ist immer.

Dann der Sturm.
Aus Schaukeln wird Kämpfen, aus Schwimmen wird Rudern, aus Mut wird Verzweiflung.
War denn vorher alles falsch? Macht dann irgendwas noch Sinn?
Aufbrechen, losstarten, volle Kraft voraus.
Geht nicht mehr. Fährt nicht mehr. Schwimmt nicht mehr.

Und jetzt sitz ich hier mit meinem Namensschild und ohne Plan und ohne Kurs.
Aber irgendwo in diesem schrägen Chaos kommt mir was entgegen. Ich hab das Gefühl: Jetzt wird’s wichtig. Ganz anders, ganz neu, ein bisschen gruselig aber auch irgendwie richtig.

Trotzdem trau ich dem Braten nicht. Kann das sein, dass Jesus hier... Also, so richtig fromm- wie früher? Nein das geht nicht. Also klar, das ist ja alles ein Prozess und meine Geschichte ist anders bunt als jede andere und mein Boot schaukelt anders rund als jedes andere und sicher wird irgendwann der Sturm vergehen, die Sorge verfliegen, der Schmerz vergessen, die Schuld verziehen und dann schaukel ich eben anders weiter. Ein bisschen lädiert vielleicht, ein bisschen gezeichnet. Aber so richtig mit Jesus? Ich weiß nicht...

Der Sturm derer, die geschrien haben, dass das niemals was wird, dass das nie funktioniert war – zu – wild. Ich will das nur überstehen. Klar hab ich Schiss. Aber ich will versuchen, an dem festzuhalten was mir noch bleibt. Trotzdem wird in mir alles lauter, alles unruhig, alles schreit.

Dann plötzlich: „Sei getrost, ich bin’s; fürchte dich nicht!“

Ich bin’s? Er ist es wirklich.

Fürchte dich nicht. Sagt der einfach so. Natürlich fürchte ich mich. Mein Leben ist völlig verstürmt. Das meiste macht keinen Sinn mehr. Ich weiß gar nicht mehr, was richtig ist, ob ich so wirklich richtig bin.

„Sei getrost, ich bin’s; fürchte dich nicht!“

Immer noch? Das gilt immer noch? Auch jetzt? Auch nach all dem? Auch wenn jeder tobt und alles stürmt? Wenn das wirklich so ist... Dann hol mich hier raus.

Und er sprach: „Komm her!“

Dann los. Aufbrechen, losstarten, volle Kraft voraus. Ich verlier mein Boot, meinen Standpunkt, meine letzte Sicherheit. Ich tausche meine Nussschale gegen die Chance auf das Versinken in Angst oder ein Leuchtturmleben in Hoffnung. Alles oder nichts. Aber die Stimme ist vertraut und die leise Ahnung, dass das hier wahr ist macht mir Mut.

Also geh ich los. Es klappt! Einfach so! Ich gehe. Ich glaube. Als wäre das die Norm. Als wäre ich die Norm. Das bin ich aber nicht. Das hier ist eigentlich nicht möglich. Auch alle anderen wissen, dass das eigentlich nicht möglich ist.
Der Sturm wird lauter. Ich glaub ich pack das doch nicht. Nicht alleine.

„Rette mich!“ Ich werde ergriffen, gerettet, hochgezogen, aufgerichtet. Er sagt Kleingläubige und fragt warum. Als ob es ganz selbstverständlich wäre, dass ich physikalische Grundgesetze und festgefahrene Meinungen durchbreche. Als ob es ganz selbstverständlich wäre, dass ich laufe, dass ich glaube. Immer noch.

Er sagt Kleingläubige und fragt warum, aber das ist gar nicht schlimm. Weil ich glaube, vielleicht sagt er nur: Ich weiß doch warum. Aber der Sturm ist nicht alles. Der wird kommen und gehen aber vielleicht auch lange bleiben. Dass du gehst, dass du glaubst, kannselbstverständlich sein. Wenn du dich traust und es dazu machst.

Ich zucke die Schultern und weiß nicht so richtig ob das wirklich so einfach ist, wie es sich anhört. Weil ich hier sitze mit meinem Namensschild und gar nicht weiß wie ich das alles finde. Und weil sich hier zu sein und immer noch zu glauben ein bisschen so anfühlt, wie physikalische Grundgesetze zu durchbrechen.

Aber vielleicht ja Schritt für Schritt. So wie das mit dem Gehen nun mal ist. Einen Fuß vor den anderen, und wenn ich sinke, bleib ich nicht allein. Und wenn ich gehe, dann so, als wäre es selbstverständlich.

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